{"id":76,"date":"2026-04-11T08:44:19","date_gmt":"2026-04-11T08:44:19","guid":{"rendered":"https:\/\/meingehirn.ch\/?p=76"},"modified":"2026-04-11T09:21:08","modified_gmt":"2026-04-11T09:21:08","slug":"harry-potter-und-der-fluch-des-fortsetzungsromans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meingehirn.ch\/index.php\/2026\/04\/11\/harry-potter-und-der-fluch-des-fortsetzungsromans\/","title":{"rendered":"Harry Potter und der Fluch des Fortsetzungsromans"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Fanfiction die &#171;ein Freund von meinem Gehirn&#187; geschrieben und im Oktober 2025 auf <a href=\"https:\/\/archiveofourown.org\/works\/72885566\" type=\"link\" id=\"https:\/\/archiveofourown.org\/works\/72885566\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">archive-of-our-own<\/a> ver\u00f6ffentlicht hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Harry ist dreizehn Jahre alt und geht seit dreiundzwanzig Jahren auf das Zaubererinternat. Er leidet unter Ged\u00e4chtnisl\u00fccken, weil sein Gehirn kaputt geht. Zusammen mit seinen Freunden Runald und Hormone geht er auf eine gef\u00e4hrliche Reise, um sein Gehirn, die Welt und das ganze Franchise zu retten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">von Scorpii666<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Harry Potter war ein ganz normaler Junge. Bis auf diese unnormale Eigenschaft, die ihn besonders machte: Er war noch nicht gestorben. Viele andere Menschen waren auch noch nicht gestorben \u2013 sonst w\u00e4re es ziemlich ruhig auf der Welt \u2013 aber bei Harry war das Nichtgestorbensein ein anderes, ein magisches. Bei seinen Eltern verhielt es sich ganz anders: Ihr Nichtgestorbensein hatte bereits geendet, als Harry ein Jahr alt gewesen war. Schuld daran war ein geisteskranker Mann, der von einem Kumpel geh\u00f6rt hatte, eine Wahrsagerin h\u00e4tte gesagt, ihre verblichene Urgrossmutter h\u00e4tte ihr gesagt, dass der geisteskranke Mann irgendwann \u2013 nur vielleicht \u2013 von dem kleinen Harry Potter get\u00f6tet werden w\u00fcrden k\u00f6nnte. Also hatte der geisteskranke Mann Harrys Eltern in den ewigen unumkehrbaren Zustand des Nicht-nichtgestorbenseins versetzt, als er dies jedoch auch dem kleinen Hosenscheisser-Harry antun hatte wollen, hatte Harry nach der Nase des geisteskranken Mannes gegriffen, sie sauber von dessen Gesicht gezupft und zwischen Zeige- und Mittelfinger festgehalten und in seiner lallenden Babysabberstimme gesagt: \u201eIch hab\u2018 deine Nase!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der geisteskranke Mann war dieser uralten und m\u00e4chtigen Magie nicht gewachsen gewesen. Nach einem Augenblick der uns\u00e4glichen Qual und Verwirrung war sein K\u00f6rper durch das Loch, an dem seine Nase gewesen war, nach Aussen gesogen worden, hatte sich um sich selbst gest\u00fclpt, um schliesslich v\u00f6llig im Nichts zu verschwinden. Manche sagen, der geisteskranke Mann sei in den ewigen unumkehrbaren Zustand des Nicht-nichtgestorbenseins versetzt worden, in den er selbst unz\u00e4hlige Menschen, Frauen, Tiere, Kinder, Trolle, Kobolde und so weiter und so fort versetzt hatte. Andere sagen, er werde eines Tages wiederkehren, um sein entwendetes Glied zur\u00fcckzufordern. Wieder andere sagen, das sei alles erstunken und erlogen, doch jene, die so etwas behaupten, f\u00fchren ein trostloses Leben ohne einen Funken Fantasie. Diese Leute werden Fuggel genannt. Ein komisches Wort, oder? Es klingt fremdartig genug, um ein magisches Fantasiewort zu sein. Hoffentlich bedeutet es nicht irgendetwas in irgendeiner Sprache.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der nichtgestorbene Junge wurde von einem Schrei geweckt. Er richtete sich auf und stiess seinen Kopf schmerzhaft gegen die Unterseite der Treppe. Voll auf die Nase. Er rieb sich mit einer Hand die schmerzende Sekund\u00e4rnase auf seiner Stirn und tastete mit der anderen \u2013 Hand, nicht Nase \u2013 nach der Kordel, die die Gl\u00fchbirne entz\u00fcndete. Er konnte sich nicht erinnern, wo er diese zweite Nase her hatte. Man munkelt, er habe sie dem m\u00e4chtigsten Zauberer, der je gelebt hatte, gestohlen. Andere sagen, das sei unm\u00f6glich, wie k\u00f6nnte ein Baby damit davonkommen den b\u00f6sesten und gest\u00f6rtesten Zauberer zu verst\u00fcmmeln, doch diese Leute sind Fuggel. Harry wurde nahegelegt, die Nase, die leicht seitlich und schr\u00e4g, sodass die Nasenl\u00f6cher auf zehn Uhr zeigten, auf seiner Stirn prangte, chirurgisch entfernen zu lassen, doch sie gefiel ihm. Er bekam doppelt so viel Luft wie jeder andere Mensch und konnte Ger\u00fcche viel intensiver wahrnehmen. Sie hatte aber auch Nachteile: Er litt schwerer unter einer Erk\u00e4ltung, wenn ihm der Rotz in die Augen lief und viele Leute sagten, sie sei h\u00e4sslich. Harry h\u00f6rte nicht auf die Neider, kaufte reichlich Taschent\u00fccher und w\u00fcrde weder seine erste noch seine zweite Nase jemals hergeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was war das f\u00fcr ein Schrei gewesen, der ihn eben geweckt hatte? Harry \u00f6ffnete den Schrank unter der Treppe, in dem er schlief und folgte den Schreien in die K\u00fcche. Sein Cousin Dudley warf mit St\u00fchlen, stampfte auf den Boden und ass das Geschirr. Da Dudley aussah wie ein Sack Kartoffeln in einem Schweinekost\u00fcm, sah das ziemlich witzig aus. Harry machte sich nicht die M\u00fche, herauszufinden, warum Dudley tobte \u2013 er tobte st\u00e4ndig wegen irgendetwas. Tante Petunia und Onkel Vernon \u2013 Dudleys Erzeuger (Kopfkino, geh weg, ich schreibe jetzt) \u2013 waren ebenso h\u00e4sslich wie Dudley und ebenso geistig umnachtet. Onkel Vernon, der ebenfalls aussah wie ein Sack Kartoffeln im Schweinekost\u00fcm \u2013 allerdings mit dickem Schnauzbart \u2013 bewarf seinen rasenden Sohn mit Essen und Geschenken, um ihn zu beschwichtigen. Das klappte meistens. Tante Petunia, die wie ein Sack Kartoffeln in einem Giraffenkost\u00fcm aussah, betrieb Schadensbegrenzung, indem sie die kostbarsten Einrichtungsgegenst\u00e4nde \u2013 Familienfotos, K\u00fcchenger\u00e4te und dergleichen \u2013 aus der Reichweite ihres Sohnes trug. Ein besonders gl\u00fccklicher Wurf Vernons bef\u00f6rderte ein rohes St\u00fcck Schinkenspeckschnitzel in Dudleys Maul, Dudleys Raserei legte sich, er kaute gen\u00fcsslich und setzte sich zwischen die Tr\u00fcmmer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eR\u00e4um das auf!\u201c, blaffte Petunia Harry an.<br>\u201eMach Fr\u00fchst\u00fcck!\u201c, befahl ihm Vernon.<br>\u201eSchinkenspeckschnitzel\u201c, forderte Dudley und ein Maul voll vorgekautes Fleisch fiel in seinen Schoss.<br>\u201eIch kann nicht alles gleichzeitig! Wann kauft ihr euch endlich einen zweiten Sklaven?!\u201c, protestierte Harry.<br>\u201eDu bist doch ein Zauberer\u201c, h\u00f6hnte sein Onkel.<br>\u201eIhr wisst genau, dass ich nur in der Zschule saubern darf, Menno!\u201c Harry r\u00e4umte beleidigt die K\u00fcche auf und versuchte dabei verzweifelt, die Schinkenspeckschnitzel und Bohnensteaks und Eierk\u00e4se nicht anbrennen zu lassen. Bald w\u00fcrde das alles ein Ende haben. In ein paar Tagen w\u00fcrde er von seinen Freunden abgeholt werden, um den Rest der Sommerferien bei ihnen zu verbringen. Und danach w\u00fcrde er endlich nach Hogwash zur\u00fcckkehren \u2013 dem bestesten Internat f\u00fcr Nicht-Fuggel, wo anstatt seiner Verwandten seine Lehrer ihn qu\u00e4len w\u00fcrden. Seit zweiundzwanzig Jahren besuchte Harry diese aussergew\u00f6hnliche Schule, was merkw\u00fcrdig war, wenn man bedachte, dass Harry erst dreizehn war. Er sch\u00fcttelte seinen Kopf, um diese Fuggelgedanken zu verscheuchen. Dabei kitzelten seine Haare in seiner Sekund\u00e4rnase und er nieste aus beiden Nasen gleichzeitig. Schnodder spritzte simultan in die Bratpfanne und auf Dudleys Gesicht. Dudley liess den Schnodder unbemerkt an seiner Wange h\u00e4ngen.<br>\u201eMach ein Neues!\u201c, befahl Vernon. Harry stellte das Schnodderfr\u00fchst\u00fcck f\u00fcr sich beiseite und bereitete eine neue Portion zu. Immerhin w\u00fcrde er heute etwas Essen, n\u00e4mlich das Schnodderfr\u00fchst\u00fcck, falls es Dudley nicht bemerkte und einforderte. Seine Tante und sein Onkel vergassen n\u00e4mlich manchmal, Harry zu f\u00fcttern. Manchmal sagten sie auch, er k\u00f6nne sich doch etwas herzaubern, obwohl sie genau wussten, dass er, wie er vorhin erw\u00e4hnt hatte, \u201anur in der Zschule saubern darf, Menno\u2018. Ausserdem war es unm\u00f6glich, etwas zu essen aus dem Nichts erscheinen zu lassen, hatte seine Streberfreundin einmal gesagt. Woher wusste die Magie, was Essen war und was nicht? Galt das nur f\u00fcr Menschenessen, oder auch f\u00fcr Nahrung f\u00fcr andere Wesen? Konnte man streng genommen nicht alles essen? Konnte eine vegane Hexe, f\u00fcr die Wurst nicht als Nahrung galt, eine Wurst f\u00fcr ihren Fleischfresserzaubererfreund erscheinen lassen? Harry sch\u00fcttelte wieder seinen Kopf, diesmal unterdr\u00fcckte er das Niesen. In letzter Zeit passierte ihm das \u00f6fter, das mit den Fuggelgedanken. Er w\u00fcrde seine Streberfreundin und seinen rothaarigen Schulfreund um Rat fragen, sobald er sie sah. Oder sollte er gleich nachher seinem verurteilten M\u00f6rderpaten einen Brief schreiben? Ach nein, der war ja tot, ermordet von seiner sadistischen Cousine. Es war so viel passiert, seit Harry auf diese Schule ging, dass er manchmal den \u00dcberblick verlor. Er beendete seine Hausarbeiten, w\u00e4hrend er noch ein bisschen an die sadistische Cousine seines toten Patenonkels dachte. Sie war abgrundtief b\u00f6se, vielleicht noch b\u00f6ser als der geisteskranke Mann, dem sie diente, aber irgendwie war sie auch scharf. Sie trug immer schwarze Gothic-Kleider mit tiefem Ausschnitt, die hervorragend zu ihrer noblen Bl\u00e4sse passten. Aber sie hatte Sirius, seinen Paten, ermordet. Aber Titten. Die Pubert\u00e4t war an sich schon verwirrend genug, aber noch schlimmer war es, wenn sie nach zweiundzwanzig Jahren immer noch nicht vorbei war und man w\u00e4hrenddessen auf eine Zauberschule ging. Harry roch etwas Verbranntes. Er hob das B\u00fcgeleisen von Vernons Lieblingskrawatte und genoss den Brandgeruch, den er in seine vier N\u00fcstern einsog. Wie war Harry hier hergekommen? War er nicht eben noch in der K\u00fcche gewesen? Das hatte bestimmt etwas mit den Fuggelgedanken zu tun, sonst w\u00fcrde das in dieser Geschichte nicht Erw\u00e4hnung finden. Er verf\u00fctterte die verbrannte Krawatte an den Nachbarshund, b\u00fcgelte den Rest der W\u00e4sche, was eine Weile dauerte, wenn man bedachte, dass Dudleys und Vernons Kleidung so gross wie Zelte war. Danach m\u00e4hte er den Rasen, reparierte das Dach, bewarf seine Nachbarn mit den alten Dachziegeln, kochte das Abendessen und so weiter und so fort, ich habe nun den Hauptcharakter vorgestellt, ich melde mich, wenn wieder etwas Interessantes passiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2.<br>Etwas Interessantes passierte. Harrys Freund Runald rutschte aus dreissig Metern H\u00f6he von seinem Besen, erfand dabei drei neue Figuren, die olympische Turmspringer seither verzweifelt nachzuahmen versuchen, krachte mit dem Buckel voran auf eine Gartenplatte, prallte davon ab, um dann aus zwei Metern H\u00f6he auf sein dummes Gesicht zu fallen. Runalds einzige Schwester und unz\u00e4hlige Br\u00fcder johlten. Harry lachte und spr\u00fchte dabei K\u00fcrbissaft aus beiden Nasen.<br>\u201eIst er tot?\u201c, fragte die Schwester, die applaudierte. Harry hatte einmal etwas mit ihr gehabt. Oder wird haben? Hatte haben wollen? Wird gehabt werden sein? Sein Gehirn verknotete sich f\u00fcr einen Moment. Als er wieder bei Besinnung war, sah Harry \u2013 ein bisschen erleichtert und ein bisschen entt\u00e4uscht \u2013 dass sein Freund noch lebte. Erleichtert, weil er ihn mochte, entt\u00e4uscht, weil sein Tod endlich eine Ver\u00e4nderung bedeutet h\u00e4tte, die die Geschichte vorangetrieben h\u00e4tte.<br>\u201eNix passiert!\u201c Runald grinste schief aus seinem zerdepperten, blutigen Gesicht. Seine Wirbels\u00e4ule ragte hinter seinem Kopf aus seinem Buckel heraus. Eine Frau, die ebenso mollig war wie ihr Name, deren Haare ebenso rot waren wie die ihrer Kinder, st\u00fcrmte entsetzt aus dem Haus. Sie zog einen Zauberstab aus ihrem Ausschnitt, fuchtelte damit in vor ihrem Sohn herum.<br>\u201eTu das nie wieder! Wir k\u00f6nnen zwar neue Kinder machen, aber wir haben keine Zeit, zu warten, bis sie im arbeitsf\u00e4higen Alter sind. Das k\u00f6nnen wir uns nicht leisten.\u201c Dann seufzte sie, sprach einige pseudolateinische Worte und ihr Sohn war wieder so gut wie neu. Was ihn betraf, war \u201awie neu\u2019 vielleicht nicht der beste Zustand, aber immerhin war seine Wirbels\u00e4ule wieder in seinem K\u00f6rper. Harry hatte sich schon oft gefragt, ob sie nicht so arm w\u00e4ren, wenn sie nicht so viele Kinder h\u00e4tten, doch er mochte die Wieselfamilie zu sehr und hoffte, sie w\u00fcrde noch viele weitere lustige Kinder produzieren, mit denen Harry spielen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eKomm Harry, Hormone ist da!\u201c Harry blickte sich um. Er sass auf einer l\u00f6chrigen Decke auf einem Bett. Die W\u00e4nde und der Boden waren leicht schief, sodass dem Gehirn nie langweilig wurde. Ausserdem blieb man wach, wenn man gelegentlich stolperte oder wogegen schlug. Das musste Runalds Zimmer sein, denn es war noch sch\u00e4biger als die anderen in diesem Haus. Die Familie nannte das Haus \u201aden Bau\u2018, wahrscheinlich, weil sie sich darin wie die Karnickel vermehrten. Mit jedem neuen Kind wurde am Haus wieder ein Zimmer angebaut, sodass es nun ein wackliger Turm aus neunundzwanzig Zimmern war.<br>\u201eHaaaaarryyyyyyyyy\u201c, rief Runald erneut, wobei er das \u201ai\u2018 sehr lange dehnte. Einen Moment sp\u00e4ter st\u00fcrmte er in das Zimmer. Hinter ihm kam ein M\u00e4dchen mit einem riesigen Busch Haaren und Hasenz\u00e4hnen herein. Falls man diese Geschichte jemals verfilmte, w\u00fcrde man das mit den Hasenz\u00e4hnen ignorieren.<br>\u201eHi Harry\u201c, sagte Hormone.<br>\u201eMoin\u201c, erwiderte Harry. \u201eWie bin ich hier her gekommen?\u201c Seine Freunde sahen ihn verwirrt an.<br>\u201eDu meinst, wie bin ich hier hergekommen?\u201c, fragte seine Streberfreundin Hormone.<br>\u201eNein, im Ernst, wie bin ich hierhergekommen? Gerade habe ich Runalds Absturz applaudiert und dann sass ich hier.\u201c Runald und Hormone warfen sich besorgte Blicke zu.<br>\u201eWas zwischendurch passiert ist, war dir wohl nicht interessant genug?\u201c, warf ihm Runald vor. \u201eIch habe dir meine drei neuen Br\u00fcder vorgestellt, die dazugekommen sind, seit du das letzte Mal hier warst.\u201c<br>\u201eJa, nein, vielleicht\u201c, stammelte Harry. \u201eDas passiert mir seit diesem Sommer \u00f6fter. Ich habe Ged\u00e4chtnisl\u00fccken und &#8230;\u201c, er senkte seine Stimme zu einem Fl\u00fcstern \u201eFuggelgedanken.\u201c Hormone japste erschrocken, Runald grinste bl\u00f6d.<br>\u201eEinen Moment, ich muss nur kurz ein Buch holen\u201c, sagte Hormone, blieb aber reglos sitzen und starrte an die Decke. \u201eOkay, ich habs\u201c, sagte sie schliesslich. Vor ein paar Jahren hatte sich Hormone eine Miniaturkopie der Bibliothek von Hogwash in ihr Gehirn implantieren lassen, damit sie nicht st\u00e4ndig in die Bibliothek rennen musste.<br>\u201eVielleicht hast du Nesselbrand, Demenz, Altenheimer, retrograde Amnesie, Drachensocken, Syphilis &#8230; Hast du auch Ausschlag?\u201c Sie wartete nicht auf eine Antwort. \u201eDu solltest ins St. Mongo Hospital f\u00fcr magisch Gest\u00f6rte gehen, oder nein, sag es Dumbledore, oder McPonystall, hast du schon deinem Paten geschrieben, ach nein, der ist ja tot, hast du es sonst jemandem erz\u00e4hlt, Fuggelgedanken zu haben ist nicht gut, du solltest es niemandem erz\u00e4hlen, ausser vielleicht Dumbledore, dem Ministerium wird das nicht gefallen, stell dir einmal die Schlagzeilen vor, \u201aDer Nicht-Nichtgestorbene, v\u00f6llig abgefuggelt\u2018, wie lange geht das schon so, hast du &#8230;\u201c<br>\u201eHalt die Fresse, Hormone\u201c, sagten Runald und Harry im Chor. Sie grinsten einander zu und machten Hochf\u00fcnf. Hormone war emp\u00f6rt. Es folgte ein langes Streitgespr\u00e4ch mit dem Ergebnis, dass Harry am ersten Schultag mit seinem Leiden zu Dumbledore gehen w\u00fcrde und Hormone daf\u00fcr nicht mehr davon sprach. Danach gingen sie nach unten, um vor dem Abendessen \u2013 einem Hund, den After \u2013 Runalds Vater \u2013 mit seinem verzauberten Auto \u00fcberfahren hatte \u2013 noch ein bisschen auf der Xbox zu spielen. Als Harry satt und gl\u00fccklich auf Runalds Bett einschlief \u2013 Runald schlief heute bei dem Ghul auf dem Dachboden \u2013 dachte er noch, dass sein Problem damit f\u00fcr eine Weile aus dem Weg war, schliesslich dauerte es noch zwei Wochen, bis die Schule begann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3.<br>Harry stand im siebten Stock im Schloss Hogwash. Das musste ein Traum sein, gerade war er noch im Bau gewesen. In einem Traum konnte man alles machen, was man wollte, ohne die Konsequenzen zu f\u00fcrchten. Harry begl\u00fcckw\u00fcnschte sich f\u00fcr seine Weisheit, zog seine Hose aus, z\u00fcndete sie an und rannte in vollem Karacho auf das h\u00fcbsche Buntglasfenster zu, das vom Abbild eines Ph\u00f6nixpaares geziert war, das gem\u00fctlich picknickte. Als es Harry sah, flog es davon. Harry wurde immer schneller, rief laut \u201eHuuuuuui\u201c und sprang gegen das Fenster. Das Glas bog sich, Harry prallte davon ab und brach sich beide Nasen und die Brille. Die Brillengl\u00e4ser penetrierten seine Augen und wurden so zu Linsen. Er landete zwei Meter von der Scheibe entfernt auf dem R\u00fccken und schlitterte noch ein St\u00fcck zur\u00fcck. F\u00fcr einen Traum war das ganz sch\u00f6n schmerzhaft, dachte Harry.<br>\u201eGeiler Stunt\u201c, sagte jemand. Ein rundes hautfarbenes Ding tauchte \u00fcber seinem Gesicht auf, wegen seiner tr\u00e4nenden Augen konnte er es nicht genau erkennen. War das ein Arsch?<br>\u201eEs roch nach verbrannter Scheisse, ich dachte, ich sehe nach. Ist das deine Hose?\u201c<br>Jetzt erkannte Harry: Es war Melville Longbottom. Es war also doch kein Traum. Niemand tr\u00e4umte jemals von Melville Longbottom.<br>\u201eDanke Melville\u201c, murmelte Harry, stand auf und nahm seine versengte Hose entgegen. Er putzte seine blutenden Nasen daran ab. Jetzt konnte er den angenehmen Geruch von brennendem Stuhl auch riechen.<br>\u201eGeiler Stunt\u201c, sagte Melville noch einmal. \u201eWie bist du darauf gekommen? Du bist immer so kreativ in diesen Dingen.\u201c<br>\u201eIch dachte, ich tr\u00e4ume.\u201c<br>\u201eIch habe letzte Nacht getr\u00e4umt, mein Brustkorb w\u00e4re offen. Einige Organe hingen heraus, aber es blutete fast gar nicht und tat nicht weh.\u201c Harry h\u00f6rte ihm nicht zu. Wie war er, Harry, hier hergekommen? Hatte er schon wieder einen Aussetzer gehabt? Er sah sich um. Am Ende des Ganges stand eine riesige Vogelstatue: Der Eingang zum B\u00fcro des Schulleiters. Er erinnerte sich an sein Versprechen Hormone gegen\u00fcber.<br>\u201eMelville, wie lange sind wir schon in der Schule?\u201c Melville dachte angestrengt nach.<br>\u201eDas ist jetzt mein dreiundzwanzigstes Jahr, und wir haben zusammen angefangen, also ist das auch dein dreiundzwanzigstes Jahr. Weiss du noch? Ich hatte damals eine schleimige Kr\u00f6te namens Trevor, sie ist immer abgehauen. Letzten Sommer habe ich sie verzaubert, damit sie h\u00f6her springen kann. Sie ist so doll geh\u00fcpft, dass sie die Erdatmosph\u00e4re verlassen hat. Ich hoffe, sie kommt irgendwann wieder &#8230;\u201c<br>\u201eIch meinte eigentlich, wie lange wir dieses Jahr\u201c, unterbrach ihn Harry, und dann sich selbst, \u201ewarte, du kannst zaubern?\u201c<br>\u201eJa klar, das ist ja auch eine Zaubererschule.\u201c<br>\u201eBoah, krass\u201c, sagte Harry und liess das erst mal auf sich wirken. Konnte er auch zaubern? Er hatte wirklich viel vergessen. Es wurde schlimmer, er musste sofort zu Dumbledore. Dumbledore hatte auf alles eine Antwort. Er zog seine angesengte, blutverschmierte Hose an und ging auf die Vogelstatue zu. Melville setzte sich hin, holte seine Murmeln heraus und begann, mit ihnen zu spielen. Melville hatte nach all den Jahren an der Schule immer noch keine echten Freunde gefunden, obwohl er auch coole Heldentaten begangen hatte, wie zum Beispiel das Haustier des Geisteskranken Mannes zu enthaupten. Er tat Harry ein bisschen Leid, aber nur ein bisschen. Er nahm sich fest vor, beim n\u00e4chsten Mal mit Melville zusammen mit den Murmeln zu spielen.<br>\u201eMoin, ich h\u00e4tte gerne Dumbledore gesprochen\u201c, sagte Harry. Der steinerne Wasserspeier neben der Vogelstatue erwachte.<br>\u201eWas ist dein Begehr?\u201c<br>\u201eMit Dumbledore zu sprechen.\u201c<br>\u201eWie heisst du, Harry?\u201c<br>\u201eDu kennst mich, ich war am Ende jedes Schuljahres hier, damit mir Dumbledore erkl\u00e4ren konnte, warum ich fast gestorben w\u00e4re.\u201c<br>\u201ePasswort?\u201c<br>Harry kannte das Passwort nicht, wusste allerdings, wie man es knackte. Er z\u00e4hlte zwanzig Minuten lang alle S\u00fcssigkeiten auf, die ihm einfielen. Bei \u201aBananasplit\u2018 nickte schliesslich der Wasserspeier dem Vogel zu, der davonflog, um den Weg zu Dumbledores B\u00fcro freizumachen. Dabei hinterliess er ein riesiges Loch in der Decke des Schlosses. Harry hustete den Staub aus seiner Lunge, stieg \u00fcber die Tr\u00fcmmer und nahm die Rolltreppe nach oben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4.<br>\u201eAkuten Abend\u201c, sagte eine unglaublich sanfte Stimme. Sie geh\u00f6rte dem einzigen Zauberer, der auch tats\u00e4chlich wie einer aussah. Harry blickte in die blauen Augen, die sich hinter der Halbmondbrille versteckten. Das dazugeh\u00f6rige Gesicht war so sanft wie die Stimme. Der freundliche alte Mann str\u00f6mte so viel Vertrauen aus, dass man einfach nicht anders konnte, als ihm alles zu erz\u00e4hlen. Harry erz\u00e4hlte ihm alles, was er wusste, konzentrierte sich aber auf die Sachen, die er nicht wusste.<br>\u201e&#8230; und dann hat Hormone mich \u00fcberredet, zu Ihnen zu gehen und dann fehlen wieder zwei Wochen, mein Geburtstag, die Fahrt mit dem roten Zug, das Festessen zum Beginn des Schuljahres &#8230;\u201c<br>Dumbledore hatte bisher geduldig zugeh\u00f6rt, bedeutete Harry aber nun energisch, sich bitte zu setzen und die T\u00fcre hinter sich zu schliessen. Harry gehorchte.<br>Dumbledore starrte tief in Harrys Augen und sagte schliesslich: \u201eLiebe, Harry.\u201c<br>\u201eH\u00e4? Was?\u201c<br>\u201eLiebe ist es, die dem Zauberer seine St\u00e4rke gibt. Sie ist ein Energiefeld, das alle lebenden Dinge erzeugen. Sie umgibt uns, sie durchdringt uns. Sie h\u00e4lt die Welt zusammen.\u201c<br>Harry war perplex.<br>\u201eJa, Professor, aber was hat das mit meinem Problem zu tun?\u201c<br>\u201eDas erkl\u00e4re ich dir sp\u00e4ter, Harry. Wenn du bereit bist.\u201c Er legte seine Hand auf Harrys Knie.<br>\u201eD-Danke, Professor, ich sollte jetzt gehen, ich muss noch diesen Aufsatz \u00fcber Cannabis f\u00fcr Professor Sprosse schreiben &#8230;\u201c Und mit dieser Ausrede ging Harry aus dem B\u00fcro des Schulleiters. Er wollte gerade die T\u00fcr hinter sich schliessen, als er aufgehalten wurde.<br>\u201eUnd Harry &#8230;.\u201c<br>\u201eJa, Professor?\u201c<br>\u201eDu solltest niemandem davon erz\u00e4hlen, dem Ministerium w\u00fcrde das nicht gefallen. Schwierige Zeiten kommen auf uns zu, harte Zeiten.\u201c<br>Harry wusste nicht, ob Dumbledore von den Fuggelgedanken oder von der unangebrachten Ber\u00fchrung seines Knies sprach, wollte aber nicht nachfragen. Mit dem Gef\u00fchl, keinen Schritt weiter gekommen zu sein, es aber zumindest versucht zu haben, rutschte er die Rolltreppe hinunter. Im Gang vor dem B\u00fcro hatte sich das Loch in der Decke selbst repariert. Melville spielte noch immer mit seinen Murmeln. Eine davon spritzte in Melvilles Gesicht, denn es waren magische Koboldmurmeln, die dem Verlierer ins Gesicht spritzten. Harry fragte sich, warum Melville alleine damit spielte, schliesslich konnte er dann nur verlieren. Vielleicht gefiel es Melville, mit stinkendem Saft bespritzt zu werden. Harry erinnerte sich an seinen Vorsatz, mit Melville zu spielen, bekam aber Hunger und ging durch ein Wirrwarr aus sich bewegenden Treppen und Geheimg\u00e4ngen nach unten. Obwohl er seit vielen Jahren diese Schule besuchte, verlief er sich. Er fragte einen \u00e4lteren Sch\u00fcler, der an ihm vorbeiging.<br>\u201eHey, wie komme ich zur krossen Halle?\u201c<br>\u201eImmer der Nase nach\u201c, antwortete der Sch\u00fcler und lachte h\u00f6hnisch \u00fcber seinen geistreichen Scherz: \u201eNjahahahajahaja.\u201c<br>Harry folgte dem schlechtgemeinten Rat und setzte seinen Super-Doppel-Geruchssinn ein, um die krosse Halle zu finden. Er akzeptierte die Tatsache, dass seine beiden Nasen nicht mehr gebrochen waren. Warum auch nicht? Er schloss die Augen, bis er die F\u00e4hrte aufgenommen hatte, und folgte dem Geruch von Hackfleisch, Furzbohnen, Avocado, Tee und Sp\u00e4tzle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">5.<br>Als Harry die krosse Halle erreichte, war der Geruch von w\u00fcrzigem Abendessen dem eines deftigen fettigen englischen Fr\u00fchst\u00fccks gewichen. Harry ging zum Tisch des roten Hauses und setzte sich zwischen Runald und Hormone.<br>\u201eMorschen\u201c, sagte Runald mit einem Mund voll Eier. \u201eWo ist deine Brille?\u201c<br>\u201eIch trage jetzt Linsen\u201c, erkl\u00e4rte er und deutete auf seine blutenden Augen.<br>\u201eSieht schlimm aus, du solltest das untersuchen lassen\u201c, sagte Hormone. \u201eHast du endlich mit Dumbledore gesprochen?\u201c<br>\u201eJa. Er hat in R\u00e4tseln gesprochen und mich angemacht, wie immer.\u201c Harry seufzte und schaufelte sich dicke Eier auf sein W\u00fcrstchen und nahm es in den Mund. Vielleicht war es besser, die Fuggelgedanken und die Ged\u00e4chtnisl\u00fccken einfach zu akzeptieren und das beste daraus zu machen. Er konnte ohnehin tun und lassen, was er wollte, niemand w\u00fcrde den Jungen, der nicht gestorben war, von der Schule werfen. Schliesslich hatten sie ihn auch nicht suspendiert, als er dem geisteskranken Mann beinahe den Stein des Philosophen \u00fcberlassen hatte, als er seine Freunde wiederholt in Lebensgefahr gebracht hatte, einen verurteilten M\u00f6rder befreit hatte, nachts im Schloss umhergestreift war, im Ministerium eingebrochen war und erheblichen Sachschaden verursacht hatte &#8230; Die Liste seiner Vergehen war endlos, trotzdem war er immer noch auf Hogwash. Harry f\u00fchlte, wie eine schwere Last von ihm genommen wurde. Er grinste, dabei floss ihm Tee aus seinem Mund.<br>\u201eAlles in Ordnung, Harry?\u201c, fragte Hormone.<br>\u201eJop.\u201c Harry grinste immer noch. \u201eIch gehe zu Hagrid, bis sp\u00e4ter.\u201c Er stopfte sich das letzte W\u00fcrstchen in den Mund, stand auf und verliess die krosse Halle.<br>\u201eHarry! Wir haben in zehn Minuten Zaubertr\u00e4nke! Professor Snake wird dich einkochen, wenn du wieder zu sp\u00e4t kommst!\u201c Harry ignorierte Hormones Ermahnungen, die sie ihm hinterherrief. Professor Snake war immer gemein zu ihm, ob Harry nun etwas richtig oder falsch machte, spielte keine Rolle. Harry f\u00fchlte sich grossartig. Er w\u00fcrde keine Hausaufgaben mehr machen und nur zum Unterricht erscheinen, wenn es ihm gerade passte. Er hatte ohnehin den Anschluss an den Unterrichtsstoff verloren, und das meiste davon war sowieso nutzlos. Er dr\u00e4ngte sich gegen den Strom der braven Sch\u00fcler, die in die Klassenzimmer eilten. Mit erhobenem Haupt stiess er theatralisch das grosse Haupttor auf. Goldenes Sonnenlicht str\u00f6mte in die Eingangshalle, gefolgt von einem Schwall gef\u00e4rbten Laubs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">6.<br>Harry stolzierte \u00fcber die Schlossl\u00e4ndereien, als ob sie ihm geh\u00f6rten. Er sog die frische Herbstluft durch seine vier N\u00fcstern und genoss jeden Atemzug. Er erreichte eine H\u00fctte am Rande des verkoteten Waldes. Eine riesige Gestalt verliess gerade die H\u00fctte, gefolgt von einem sabbernden Hund. Die Gestalt war so haarig, dass man nur ihre Augen erkennen konnte. Harry war sich nicht sicher, ob sie ihren Fellmantel trug oder nackt war.<br>\u201eHarry!\u201c, rief die Gestalt voller Freude.<br>\u201eHagrid!\u201c, rief Harry ebenso. Er winkte dabei wie ein Ertrinkender.<br>\u201eAber, solltest du nicht in der Schule sein?\u201c, fragte Hagrid. Harry zuckte die Achseln.<br>\u201eMir egal. Ich habe herausgefunden, dass mein Gehirn kaputt geht, also w\u00e4re Unterricht sowieso sinnlos. Was machst du so?\u201c<br>\u201eAber Harry! Warst du schon bei Madame Pommfritt? Sie hat bisher jeden wieder zusammengeflickt.\u201c Daran hatte Harry nicht gedacht. Als Ber\u00fchmtheit war er es nicht gewohnt, die Schulkrankenschwester zu konsultieren, sondern war immer sofort zu h\u00f6chster Stelle geeilt, wenn ihn etwas bedr\u00fcckte.<br>\u201eGute Idee, Hagrid, aber das kann warten. Kann ich mit dir abh\u00e4ngen?\u201c<br>\u201eIch sollte den Wald wieder einmal entkoten. Kannst mir ja helfen. Es n\u00fctzt eh nichts, dich in die Schule zur\u00fcckzuschicken. Auf mich h\u00f6rt ja keiner.\u201c Der Wind wehte einen penetranten Scheissegeruch vom Wald her. Harry atmete tief ein.<br>\u201eOkay\u201c, sagte Harry motiviert. Sie verbrachten den ganzen Tag damit, die unz\u00e4hligen Scheisshaufen im verkoteten Wald zu identifizieren, was nicht leicht war, weil sie stellenweise ineinander \u00fcbergingen. Gew\u00f6hnliche Hirschkacke sch\u00fctteten sie mit Erde zu, Zentaurenkacke dokumentierten sie, um den Zentauren sp\u00e4ter zu befehlen, sie sollten ihren Scheiss gef\u00e4lligst selbst wegr\u00e4umen. Agromantulakacke, Einhornkacke und andere wertvolle Kacke sammelten sie, um sie im Internet zu verkaufen. Geisterkacke, die sich in den Bl\u00e4ttern verfangen hatte, sch\u00fcttelten sie heraus. Diverse Kackesorten, die zum Zaubertrankbrauen taugten, sammelten sie ein, um sie Professor Snake zu geben. Er freute sich schon darauf, dem fiesesten Lehrer einen Beutel Kot in die Hand zu dr\u00fccken. Als Harry am Abend von Kopf bis Fuss mit Scheisse beschmiert in die krosse Halle zur\u00fcckging, kam ihm in den Sinn, dass er ja Zaubern konnte und deshalb eigentlich nicht h\u00e4tte im Kot w\u00fchlen m\u00fcssen. Trotzdem, er hatte die frische Luft, den Geruch und die Besch\u00e4ftigung mit seinem Freund genossen.<br>\u201eArg! Scheisse! Alles Scheisse! Diesmal kommst du mir in die Folterkammer, B\u00fcrschchen!\u201c<br>Der Hausmeister, der, weil er nicht zaubern konnte, alles von Hand aufwischen musste, und darum verst\u00e4ndlicherweise immer schlechte Laune hatte, packte Harry am Umhang, liess aber sofort wieder los und wischte seine Hand an einem Lumpen ab.<br>\u201eOh nein, der arge Filz!\u201c, h\u00f6hnte Harry. Man nannte ihn den argen Filz, weil er immer zuerst \u201aArg\u2018 rief, bevor er einen arg nach verbotenen Gegenst\u00e4nden filzte. Und weil er seine Haare nie wusch. \u201eDu darfst keine Sch\u00fcler foltern, also kannst du mir gar nichts.\u201c Zur Kr\u00f6nung steckte Harry ihm die Zunge entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">7.<br>Harry wachte kopf\u00fcber an den Kn\u00f6cheln aufgeh\u00e4ngt auf. Ihm war eiskalt und schwindelig. Es roch nach Rost und Moder. Das einzige Licht strahlte irgendwo durch ein kleines Gitter.<br>\u201eHallo?\u201c, rief Harry. Ungef\u00e4hr zw\u00f6lf Minuten und vierundzwanzig Sekunden sp\u00e4ter \u00f6ffnete sich die T\u00fcr mit einem ohrenbet\u00e4ubenden Quietschen. Der arge Filz trug eine hochgeklappte Schweissermaske, eine Ledersch\u00fcrze und eine Kettens\u00e4ge.<br>\u201eIm Ernst?\u201c, fragte Harry. \u201eDu darfst keine Kettens\u00e4ge haben. Die magische Welt hat einstimmig beschlossen, dass der technologische Entwicklungsstand von 1825 genau das richtige Mass an Technologie ist. Diese Kettens\u00e4ge ist viel zu neu. Daf\u00fcr kommst du nach Azkaban!\u201c<br>\u201eMir doch egal, was die Zauberer beschlossen haben. Ich bin ein Tintenfisch, ich kann nicht zaubern!\u201c Der arge Filz sabberte gierig. \u201eJetzt wirst du b\u00fcssen f\u00fcr die Scheisse, die du im Schloss hinterlassen hast!\u201c<br>\u201eGlaubst du, ich habe Angst von diesem Ding? Ich habe den Steuererkl\u00e4rungsfluch \u00fcberstanden. Mehrmals. Dieses Gartenger\u00e4t kann mir nichts anhaben.\u201c Als die Kettens\u00e4ge laut zu rattern begann und sich Harrys Lieblingsbein n\u00e4herte, f\u00fchlte er sich nicht mehr so mutig. Er schrie, als die Kettens\u00e4ge in sein Bein eindrang und nur haarscharf sein linkes Ei verfehlte. Blut spritzte bis an die Decke, in Harrys Nasen und durch das kleine Gitter an der Wand. Als die S\u00e4ge mit einem Knirschen den Oberschenkelknochen erreichte, wurde Harry bewusstlos. Oder dies ist nur eine weitere Ged\u00e4chtnisl\u00fccke, und Harry hatte die ganze Amputation mitbekommen und selig wieder vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">8.<br>Harry wachte an einem Bahnhof auf. Der Bahnhof war merkw\u00fcrdig, denn er war verlassen und totenstill. Harry hatte ein D\u00e9j\u00e0-vu-Erlebnis. Auf dem Boden lag ein verk\u00fcmmertes, wimmerndes Baby und der tote Dumbledore winkte ihm zu, genau wie beim letzten Mal. Damals war Harry gestorben, hatte mit dem toten Dumbledore geredet &#8230; Dumbledore war tot! Mit wem hatte er denn eben erst gesprochen? War das ein Doppelg\u00e4nger? Ein Zombie? War Harry auch ein Zombie? Er schob die Fuggelgedanken zu den anderen, um sich sp\u00e4ter darum zu k\u00fcmmern, und wandte sich wieder der Erinnerung zu. Das war gewesen, als Harry zum vierten Mal den Geisteskranken Mann besiegt hatte. Danach war er noch neun Mal wiedergekehrt. Harry hatte keinen Bock auf einen weiteren Bosskampf. Zu beiden Seiten Harrys fuhr ein Zug ein und hielt lautlos an. Harry wollte gerade den Zug besteigen, der ihn ins Jenseits brachte, als der Bahnhof kr\u00e4ftig durchgesch\u00fcttelt wurde und sich in einem blendenden Licht aufl\u00f6ste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">9.<br>\u201eZehn goldene Galeonen, dass er stirbt.\u201c<br>\u201eWie viele Franken sind das?\u201c<br>\u201eKeine Ahnung, wir haben keinen Matheunterricht.\u201c<br>\u201eDer Stunt war noch krasser als der letzte.\u201c<br>\u201eGeht zur Seite, ich will sein dummes Gesicht fotografieren, wenn er sein neues Bein sieht.\u201c<br>\u201eIch geh\u2018 Kippen holen, will jemand etwas von der Tanke?\u201c<br>\u201eZwanzig Liter Super.\u201c<br>\u201eSeid still, ich glaube, er wacht auf.\u201c Die Stimmen verstummten, nur ein leises mechanisches Brummen war zu h\u00f6ren.<br>Harry \u00f6ffnete langsam seine Augen. Er lag in einem weichen Bett. Entt\u00e4uscht stellte er fest, dass seine Linsen entfernt worden waren. Er grabschte nach seiner runden Brille auf dem Nachttisch und setzte sie auf die Nase. Sie fiel herunter und er setzte sie auf die andere Nase. Um ihn herum standen Freddi und Schorsch \u2013 Runalds Br\u00fcder \u2013 Runald selbst, dessen Schwester Ginny, Melville Longbottom, Hormone und das l\u00e4stige blonde Kind mit dem Fotoapparat, der nach 1825 erfunden worden war. Das Blitzlicht blendete Harry, sodass er beinahe noch einmal gestorben w\u00e4re. Vor \u00c4rger.<br>\u201eFick dich Colin\u201c, murmelte Harry benommen. Schorsch reichte Freddi zehn Goldm\u00fcnzen.<br>\u201eJa, fick dich Colin\u201c, stimmten Freddi und Schorsch zu. \u201eDu darfst nicht einfach so Leute fotografieren und die Bilder ins Internet stellen. Das ist gegen die Privatsph\u00e4re.\u201c<br>\u201eHarry ist ber\u00fchmt, er hat kein Recht auf Privatsph\u00e4re. Mein Instagram-Kanal geht voll ab.\u201c Er wandte sich an Harry. \u201eSchau mal, du hast ein neues Bein.\u201c Er machte sich bereit f\u00fcr ein weiteres Foto.<br>Harry richtete sich auf, warf die Decke zur Seite und entbl\u00f6sste ein haariges Bein mit Knubbelknie. Blitzlicht. \u201eFick dich Colin.\u201c Harry betastete sein Bein. \u201eDas sieht genau so aus wie mein altes Bein\u201c, sagte Harry erleichtert.<br>\u201eWirklich?\u201c, fragte Colin. \u201eEs ist voll h\u00e4sslich!\u201c Er lachte, machte noch ein Foto und erhielt von Schorsch \u2013 oder Freddi \u2013 einen Schlag auf den Hinterkopf. Der Fotograf packte sich einen Rucksack von der Ablage \u00fcber den Fenstern, \u00f6ffnete die T\u00fcr, was einen Druckabfall verursachte, der einige medizinische Ger\u00e4te und Melville Longbottom mitriss, und sprang aus dem Flugzeug.<br>\u201eMach die T\u00fcr zu, es zieht!\u201c, schrie Madame Pomfritt und eilte herbei, um die T\u00fcr des Krankenfliegers selbst zu schliessen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDumme Muggelkinder, ich sage immer wieder, sie sollen den Kamin benutzen\u201c, brummte Madame Pomfritt, w\u00e4hrend sie im Krankenflieger wieder Ordnung machte. Hormone nutzte die Gelegenheit, um Harry klugzuscheissen: \u201eWas hast du dir nur dabei gedacht? Du weisst doch, dass das Ministerium die Regeln ge\u00e4ndert hat. Gem\u00e4ss Ausbildungserlass Nummer 1337 hat der arge Filz freie Hand beim Strafvollzug. Du hast Gl\u00fcck, dass du nicht gestorben bist. Ach ja, Snake l\u00e4sst ausrichten, dass du drei Jahre bei ihm nachsitzen musst, und mit ihm Methamphetamine kochen sollst.\u201c<br>\u201eIch kann gar nicht sterben, ich bin der Proto&#8230; Prato&#8230; Progano&#8230; der Hauptcharakter. Mein Name steht sogar im Titel.\u201c Ginny quiekte erschrocken bei diesen Fuggelgedanken. Runald grinste. Fredi, Schorsch und Hormone warfen sich besorgte Blicke zu. Einer davon verfehlte sein Ziel und warf die Nachttischlampe um, die am Boden zerschellte. Hormone schwang ihren Zauberstab und murmelte den pseudolateinischen Reparaturspruch, um den Schaden zu beheben.<br>\u201eVersteht ihr denn nicht?\u201c, fuhr Harry aufgebracht fort. Er drehte eine Runde, um sein neues Bein zu testen, kehrte wieder zur\u00fcck und sprach weiter: \u201eWir sind jetzt schon seit zweiundzwanzig Jahren auf dieser Schule -\u201c,<br>\u201eDreiundzwanzig\u201c, klugscheisste Hormone.<br>\u201eUnd ich bin erst dreizehn Jahre alt, wie kann das sein? Dumbledore wurde von Snake get\u00f6tet, trotzdem habe ich eben erst mit Dumbledore in seinem B\u00fcro gesprochen. Ausserdem hast du ein Ohr verloren, und du bist tot\u201c, er deutete auf die rothaarigen Zwillinge. \u201eWie oft bin ich schon gestorben? Wie oft ist der geisteskranke Mann zur\u00fcckgekehrt? Ich habe keinen Bock mehr auf diesen ganzen abgedrehten [zensiert]. Ich will ein normales Leben mit Achterbahnfahren und Wanderungen und Dinkelbr\u00f6tchen und &#8230;\u201c<br>\u201eIn unserem vierten Jahr waren wir Wandern, weisst du nicht mehr? Wir mussten ewig latschen, um zum Portschl\u00fcssel zu gelangen. Und Achterbahn sind wir auch gefahren, als wir Gringotts ausgeraubt haben.\u201c Auf Runalds Gesicht d\u00e4mmerte es, als er das sagte. Hormone fuhr fort, ohne wirklich wegzufahren: \u201eStimmt! Wir haben Gringotts ausgeraubt. Warum sind wir nicht in Azkaban?\u201c Sie raufte sich die Haare, ging aufgebracht hin und her, knabberte an einem M\u00f6hrchen, wurde blass. \u201eOh nein, jetzt hast du mich angesteckt, Fuggelgedanken!\u201c Ginny quiekte wieder aufgeregt. Runald grinste.<br>Harry senkte seine Stimme: \u201eWas w\u00e4re, wenn Fuggelgedanken die Wahrheit w\u00e4ren? Was, wenn das Ministerium uns alle verarscht, um noch mehr B\u00fccher und Filme zu verkaufen?\u201c<br>Hormone knabberte an ihren Fingern\u00e4geln. Freddi sagte: \u201eKomm schon Harry, das Ministerium w\u00fcrde doch nicht die ganze Welt in Gefahr bringen, indem sie in der Kontinuit\u00e4t herumpfuschen. Zugegeben, sie machen fragw\u00fcrdige Sachen, wie zum Beispiel einer Dreizehnj\u00e4hrigen eine Zeitmaschine zu geben, aber ich glaube nicht, dass sie so weit gehen w\u00fcrden.\u201c<br>\u201eDoch\u201c, sagte Harry bestimmt. Ginny quiekte. Runald grinste.<br>Hormone hatte sich wieder ein wenig beruhigt: \u201eGlaubst du nicht, es w\u00e4re m\u00f6glich, nur vielleicht, dass dein Gehirn, m\u00f6glicherweise, durch all die Fl\u00fcche, die du abbekommen hast, die Traumata, die du durchlebt hast, einen ernsthaften Schaden genommen hat, der deine Gedanken durcheinanderbringt, wodurch du auch diese Erinnerungsl\u00fccken hast?\u201c<br>\u201eDer Satz war zu lang, bitte fasse dich kurz.\u201c<br>\u201eHirnschaden!\u201c, blaffte Hormone.<br>Madame Pomfritt eilte herbei. \u201eSo, das ist genug Aufregung f\u00fcr heute, Besuchszeit ist vorbei, kommt morgen wieder, husch, husch.\u201c Sie scheuchte Runald, Ginny, Freddi, Schorsch und Hormone in Richtung des gemauerten Kamins, der im Krankenflieger fehl am Platz wirkte. Hormone und die Rothaarigen verbrannten in gr\u00fcnen Flammen, w\u00e4hrend eine Frauenstimme aus dem Kamin erkl\u00e4rte: \u201eIhr glaubt gar nicht, wie beschwerlich Reisen vor Flohpulver waren!\u201c<br>Die Krankenpflegerin dr\u00e4ngte Harry eine \u00fcbel riechende Medizin auf, die sogar Harrys verdrehter Geruchssinn als ekelhaft empfand, worauf er einschlief, noch w\u00e4hrend sie die Vorh\u00e4nge vor den Flugzeugfenstern zuzog.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">10.<br>Harry griff fester an die Z\u00fcgel seines Parasaurolophus, w\u00e4hrend er immer schneller \u00fcber das schottische Hochland galoppierte.<br>\u201eLos, Sirius, gleich haben wir es geschafft!\u201c, rief Harry seinem toten Paten zu, der auf einem knatternden Motocross-Motorrad neben ihm fuhr. Doch als sie den n\u00e4chsten H\u00fcgelkamm \u00fcberquerten, tauchte vor ihnen eine ganze Armee auf, bestehend aus Kreuzrittern, Neonazis, Zulukriegern und Vampiren, die mit gez\u00fcckten Waffen in einer Reihe auf sie warteten.<br>\u201eOh nein, die Union der uneinig Vereinten!\u201c<br>\u201eMach dir keine Sorgen, Harry, wir k\u00f6nnen Zaubern\u201c, sagte Sirius in beruhigendem Ton. Harry und Sirius z\u00fcckten ihre Zauberst\u00e4be, w\u00e4hrend sie sich mit der anderen Hand an Dinosaurier respektive Motorrad festhielten. Sie zauberten Expelliarmus und Petrificus Totalus und einmal sogar Flipendo, was sehr wirksam war und den Grossteil der Feinde vernichtete, doch diese konnten auch zaubern und riefen Expelliarmus und Petrificus Totalus und einmal sogar Flipendo zur\u00fcck, trafen Harrys toten Paten, das Motorrad explodierte, Sirius machte einen dreifachen R\u00fcckw\u00e4rtssalto und verdampfte, woran er starb.<br>Harry schrie: \u201eSiriiiuuuuuuss!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">11.<br>\u201eHalt die Fresse, Alter!\u201c<br>Harry sass kerzengerade im Bett. Er war klatschnass und bef\u00fcrchtete, dass es nicht nur Schweiss war. Er atmete schwer und zu schnell.<br>\u201eGlaubst du, nur weil du zwei Nasen hast, kannst du lauter schreien als ich?\u201c, fragte der Junge im Bett neben Harry. \u201eNa dann pass Mal auf.\u201c Der Junge holte tief Luft und schrie aus vollem Halse \u201eSiriiiuuuuuuss\u201c, sodass Harrys Ohren sich anf\u00fchlten, als h\u00e4tte jemand, wahrscheinlich der Junge neben ihm, einen heissen Draht hineingebohrt. Der Krankenflieger geriet in Turbulenzen. Madame Pomfritt \u00f6ffnete die Cockpitt\u00fcr, befahl ihren beiden Patienten \u201eRuhe!\u201c, pflanzte sich wieder die Kopfh\u00f6rer auf und setzte sich hinter den Steuerkn\u00fcppel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch nachdem die Turbulenzen sich gelegt hatten und der andere Junge nicht mehr schrie, konnte Harry nicht mehr einschlafen. Er sinnierte einige Stunden lang \u00fcber seinen toten Paten, \u00fcber die Fuggelgedanken und Ginny. Dann wurde ihm langweilig. Er versuchte, den lauten Jungen im Bett nebenan aufzuwecken, jedoch ohne Erfolg. Er fragte sich, weswegen dieser im Krankenflieger war. Harry stand auf, schlich sich an dessen Bett heran und las die Krankenakte: \u201eStatist Nr. 1112, Haus Blau, Schlaflosigkeit, Flugangst, Kehlkopfentz\u00fcndung, taubstumm.\u201c<br>\u201eDer ist wohl geheilt\u201c, murmelte Harry. Er ging im Krankenflieger umher, durchsuchte die Schr\u00e4nke, spielte mit dem Dialyseger\u00e4t, suchte erfolglos etwas zu essen, machte in einen fremden Nachttopf, stellte ihn neben den schlafenden Jungen und legte dessen Hand in den warmen Inhalt. Dann setzte Harry sich zur\u00fcck auf sein Bett und langweilte sich wieder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">12.<br>Harry klammerte sich fest an den Besenstil und sauste mit vielen Geschwindigkeitseinheiten durch die k\u00fchle Luft. Adrenalin str\u00f6mte durch seine Adern. Er klemmte den Stecken noch fester zwischen seine Backen und vollf\u00fchrte einen Immelmann. Unter ihm flogen zw\u00f6lf Sch\u00fcler auf Besen umher, warfen sich B\u00e4lle zu, liessen sich von anderen B\u00e4llen abschiessen und riskierten ihr Leben, nur um vielleicht zehn l\u00e4cherliche Punkte zu erzielen. Mittlerweile spielte Harry mit seinem Stecken, tr\u00e4umte vor sich hin und hielt gelegentlich nach dem kleinen goldenen Spatzen ausschau.<br>\u201eZehn Punkte f\u00fcr Gr\u00fcn!\u201c, rief eine magisch verst\u00e4rkte Stimme. Vielleicht hatte sie auch nur ein Megafon. Die H\u00e4lfte der Zuschauer applaudierte. Harry flog zum anderen Spatzensucher und \u00e4rgerte ihn.<br>\u201eDeine Eltern sind tot, du hast keine Familie!\u201c, sagte Drago Malefoy.<br>\u201eDein Vater ist die Oberbitch des geisteskranken Mannes!\u201c<br>Drago und Harry versuchten eine Weile, sich gegenseitig zu rammen, was bei diesen vielen Geschwindigkeitseinheiten nicht gelang, aber Spass machte und gef\u00e4hrlich war. Sie z\u00fcckten ihre Zauberst\u00e4be und versuchten herauszufinden, wer den L\u00e4ngeren hatte. Dann sah Harry endlich etwas Goldenes in der Luft flattern, beschleunigte seinen Besen darauf zu, schnappte es vor Dragos Nase weg, flog damit nach unten und das Stadion tobte, denn das Spiel war beendet. Mit nur einem kleinen Fang hatte er das Spiel, auf das sich alle wochenlang gefreut hatten, beendet und mit hundertf\u00fcnfzig Punkten die Bem\u00fchungen aller seiner Mitspieler nichtig erscheinen lassen. Quidditch war das besteste Spiel \u00fcberhaupt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">13.<br>Nach unz\u00e4hligen Stunden Hanfpflanzen z\u00fcchten bei Professor Sprosse, Schnapsbrennen und Gulasch kochen bei Professor Snake, Fechten bei Professor Quirrel (der mit dem purpurnen Turban, den Harry in seinem ersten Jahr ermordet hatte) und Fernsehschauen bei Professor Tortelloni kam Harry der Gedanke, dass diese Schule vielleicht gar nicht so magisch war, wie alle glaubten. Auf dem Pausenplatz erz\u00e4hlte er seine Theorie der blonden Mona Liebtgut, denn sie war immer cool und aufgeschlossen und glaubte alles.<br>\u201eFernseher und Kettens\u00e4gen und Flugzeuge und all das Zeug sollten doch gar nicht funktionieren in der Umgebung von Hogwash. Hormone hat gesagt, ein Buch h\u00e4tte gesagt, es sei zu viel Magie in der Luft und darum w\u00fcrde technische Technologie nicht richtig technisieren\u201c, sagte Harry und freute sich dar\u00fcber, sich an etwas erinnert zu haben.<br>\u201eDaddy sagt, das sei die Schuld des St\u00f6rsenders auf dem Astronomieturm gewesen, aber der wurde vor acht Jahren bei der Schlacht um Hogwash zerst\u00f6rt.\u201c<br>\u201eHeisst das &#8230; Heisst das wir h\u00e4tten seit Jahren eigentlich im Unterricht SMSen k\u00f6nnen und Fortnite zocken und im Schlafsaal Pornos herunterladen und mit dem E-Roller zum Unterricht fahren &#8230;?\u201c<br>\u201eNat\u00fcrlich, aber das Ministerium will das nicht. Das w\u00fcrde sich nicht gut machen f\u00fcr eine Zaubererschule, verstehst du? Ist schlecht f\u00fcr die Buchverk\u00e4ufe und die Einschaltquoten und die Merchandiseverk\u00e4ufe und &#8230;\u201c<br>Harry schwieg eine Weile, w\u00e4hrend sein Gehirn ausnahmsweise arbeitete. Den Rest von Mona Liebtguts Verschw\u00f6rungstheorie h\u00f6rte er nicht. Endlich machte alles Sinn f\u00fcr seinen seltsamen Verstand: Die Fuggelgedanken, die endlosen Jahre, die L\u00fcgen, die Anachronismen &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">14.<br>Noch am selben Abend rief er Dumbledores Armee wieder ins Leben. Sie antwortete nicht und blieb tot. F\u00fcr gew\u00f6hnlich h\u00e4tte er es mit Magie versucht, doch sein Vertrauen darin war ersch\u00fcttert. Also rannte er auf altmodische Weise durch das Schloss und versuchte einige seiner vermeintlichen Freunde zu rekrutieren, musste aber feststellen, dass einige davon wieder tot waren, einige ihn hassten, weil er sich in das trimagische Turnier geschmuggelt hatte, einige hielten ihn f\u00fcr einen Zombie, einen Statisten oder in einem Fall sogar f\u00fcr ein Fraktal. Vielleicht lag es auch daran, dass Harry nie gelernt hatte, sich richtig zu artikulieren, was teilweise dem nicht-existenten Deutschunterricht auf Hogwash geschuldet war, und deshalb die Dringlichkeit seines Vorhabens nicht erkannt wurde. Schlussendlich stand er mit Mona Liebtgut, Melville Longbottom, Runald Wiesel und Hormone Ranger am Rande des verkoteten Waldes. Colin Creepy, das blonde Kind mit der Kamera und dem Instagramkanal, war zwar nicht eingeladen worden, liess sich aber nicht absch\u00fctteln. Die Gruppe diskutierte vierundvierzig Minuten lang \u00fcber einen coolen Namen f\u00fcr ihre Vereinigung, einigte sich auf \u201aHier k\u00f6nnte Ihr Text stehen\u2018 und bei Sonnenuntergang wandten sie sich endlich Wichtigerem zu.<br>\u201eWie sollen wir \u00fcberhaupt nach London kommen?\u201c, fragte jemand, wer, ist egal.<br>\u201eBesen? Thestrale? Flohpulver?\u201c<br>\u201eDas Flohnetzwerk wird \u00fcberwacht.\u201c<br>\u201eIst doch egal\u201c, sagte Harry, \u201eaber ich w\u00fcrde Besen bevorzugen.\u201c<br>\u201eIch habe H\u00f6henangst\u201c, sagte Hormone.<br>\u201eDu bist im Haus rot!\u201c, protestierte Runald. \u201eRot ist mutig, mutig \u00fcberwindet Angst.\u201c<br>\u201eWir k\u00f6nnten auch einfach den Zug nehmen\u201c, sagte Mona vertr\u00e4umt. Alle Mitglieder von \u201aHier k\u00f6nnte Ihr Text stehen\u2018 verstummten. Das war viel zu einfach und w\u00fcrde sich schlecht in einem Buch \u00fcber eine Zauberschule machen.<br>\u201ePerfekt!\u201c, rief Harry und umarmte Mona. Sie duftete nach Aluminium und Harry fragte sich unwillk\u00fcrlich, ob sie ihrem Nachnamen alle Ehre machen w\u00fcrde.<br>Harry, Melville, Mona, Runald, Hormone und Colin gingen zum Bahnhof, kauften sich Tickets, warteten bis um f\u00fcnf Uhr morgens auf den ersten Zug, wimmelten zwischendurch Ginny ab, stiegen ein und fuhren Richtung S\u00fcden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">15.<br>Harry erwachte mit einem B\u00e4renhunger. Die Sonne schien. Eine gr\u00fcne Landschaft zog vorbei und winkte freundlich. Runald und Colin schnarchten auf der Gep\u00e4ckablage. Melville spielte mit seinen Stinkemurmeln. Hormone starrte geistesabwesend vor sich hin \u2013 wahrscheinlich las sie gerade. Mona \u00fcbte Beatboxen \u2013 ganz sanft, um niemanden zu wecken. Harry stand auf, um die S\u00fcssigkeitenfrau zu suchen. Er traf auf eine Gruppe Touristen, die etwas von Gryffindor und Voldemort laberte und Fotos von ihm machte und an ihm zerrte und um Autogramme bettelte. M\u00fcde, hungrig und durchgenudelt fand er endlich die S\u00fcssigkeitenfrau.<br>\u201eIch h\u00e4tt\u2018 gern alles\u201c, sagte er und streckte der Verk\u00e4uferin eine Handvoll goldene Galeonen entgegen. Die verwirrte Frau lud wahllos Gegenst\u00e4nde auf Harrys Arme, bis kein Platz mehr darauf war. Harry kehrte in sein Abteil zur\u00fcck und lud seine Eink\u00e4ufe auf das Tischchen. Alles fiel raschelnd und scheppernd zu Boden.<br>\u201eDiese Scheisstischchen werden auch immer kleiner!\u201c Er stopfte sich ein Schinkenspeckschnitzel in den Rachen und musste dabei kurz an seine Sklavenhalter denken. Sie mochten zwar gemein, fies, dumm, tyrannisch, sadistisch, unfair, unmenschlich, ignorant, verachtenswert, h\u00e4sslich, fett und nervt\u00f6tend sein, aber vielleicht, dachte Harry, hatten sie doch recht gehabt, was das Zaubern anging. Er stopfte die Schinkenspeckschnitzelverpackung in den winzigen M\u00fclleimer unter dem winzigen Tischchen, was ihn vollst\u00e4ndig ausf\u00fcllte. Er \u00f6ffnete sich ein Dosenbier. Das laute Zischen weckte seine Freunde. Sie sch\u00fcttelten den Schlaf ab, nahmen sich ebenfalls lauwarme Bierdosen und fettiges Essen in zu kleinen Packungen.<br>\u201eDas ist viel besser als Butterbier\u201c, bemerkte Hormone.<br>\u201eUnd knallt ordentlich\u201c, sagte Harry und orgelte sich noch eines herein. Die n\u00e4chste Stunde spielten sie Ich-blicke-was-was-du-nicht-blickst, dann Wahrheit oder Pflicht und irgendwann Flaschendrehen mit Bierdosen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">16.<br>\u201eZugfahren ist voll knorke\u201c, sagte Runald und \u00f6ffnete sich sein dr\u00f6lfzehntes Bier. Sein R\u00fclpser liess das Fenster erzittern. Harry erwachte ohne Erinnerung an die letzten Stunden, doch immerhin wusste er diesmal die Ursache seiner Ged\u00e4chtnisl\u00fccke. Er rieb sich die Schl\u00e4fen. Das Abteil roch nach Bier, Schweiss, Blut und Erbrochenem. Er atmete tief durch. Sein Blick viel auf Melville, der mit einem aufgemalten Riesenpimmel im Gesicht umhergrinste. Eine monotone Stimme verk\u00fcndete die baldige Ankunft in London. Die Gruppe suchte ihre Habseligkeiten in dem Meer aus Dosen und Verpackungen und verliessen den Zug. Nach einer sehr langen Toilettenpause \u2013 sie hatten eine Stunde lang auf Colin gewartet, um schliesslich herauszufinden, dass er auf dem Klo eingeschlafen war \u2013 gingen sie durch die Stadt. Sie stellten fest, dass heute ein Feiertag war und das Ministerium folglich geschlossen war, und dass es gar nicht in London, sondern in [geheim] war. Also kauften sie noch einmal Tickets, warteten noch ein paar Stunden auf den Zug und fuhren weiter. Achtzehn Stunden, vierhundertzw\u00f6lf Bierdosen, hundertzw\u00f6lf Schinkenspeckschnitzel und sechsunddreissig Mal Umsteigen sp\u00e4ter stiegen sie im Morgengrauen am Bahnhof von [geheim] aus.<br>\u201eWie lautet der Plan, Harry?\u201c, fragte Hormone.<br>\u201ePlan? Was f\u00fcr ein Plan?\u201c<br>\u201eDer Plan, um das Zaubereiministerium zu st\u00fcrzen! Oder was auch immer du da vor hast.\u201c Harry starrte sie an. \u201eDie Fuggelgedanken!\u201c, blaffte Hormone, \u201eder St\u00f6rsender, die Anachronismen, die L\u00fcgen des Ministeriums?!\u201c<br>\u201eAch so, ja, hab ich mir noch nicht genau \u00fcberlegt.\u201c Die Gruppe emp\u00f6rte sich \u00fcber die Tatsache, dass Harry sich nach gut vierundzwanzig Stunden Zugfahrt keinen Plan zurechtgelegt hatte.<br>\u201eWarum seid ihr \u00fcberhaupt mitgekommen?\u201c, fragte Harry seine genervten Freunde.<br>\u201eIch bin dein gr\u00f6sster Fan, Harry, ich klebe dir wie eine Warze am Arsch\u201c, sagte Colin und fotografierte ihn mit seinem Smartphone. Eine Erinnerung blitzte in Harrys Gehirn auf: Eine Kamera flog durch das ge\u00f6ffnete Zugfenster und zerschmetterte an einem Stahlpfosten.<br>\u201eJa, das tust du\u201c, seufzte Harry.<br>\u201eWeil du uns darum gebeten hast\u201c, sagte Hormone. \u201eWir sind deine besten Freunde und machen jeden Scheiss mit.\u201c Runald grinste zustimmend. Melville nickte. Mona beobachtete eine Taube, die einen Zigarettenstummel ass und schien nicht zuzuh\u00f6ren.<br>\u201eIch dachte, ich gehe einfach da hin und beschwere mich.\u201c<br>\u201eBin dabei\u201c, sagte Melville.<br>\u201eNa sch\u00f6n, was auch immer\u201c, seufzte Hormone. \u201eImmerhin wissen sie nicht, dass wir kommen.\u201c<br>\u201eWas das angeht &#8230;\u201c, beichtete Colin. Er pr\u00e4sentierte auf seinem Handy die zweitausendsechsundachtzig Beitr\u00e4ge, die er seit dem Verlassen der Schule im Internet ver\u00f6ffentlicht hatte. Melville boxte Colin in die Fresse, worauf das Smartphone in einen Gully fiel und Blut hinterher spritzte. Runald johlte vergn\u00fcgt.<br>\u201eDanke, Runald, aber bring ihn nicht um. Wir k\u00f6nnen ihn noch gebrauchen. Wenn wir die Machenschaften des Ministeriums aufdecken, brauchen wir jemanden, der das alles dokumentiert und ver\u00f6ffentlicht.\u201c<br>\u201eWir k\u00f6nnten auch Rita von Kimme &amp; Korn fragen\u201c, schlug Runald vor und wurde daf\u00fcr ausgebuht.<br>\u201eRita ist scheisse!\u201c, kreischte Hormone.<br>\u201eAber dann m\u00fcssten wir uns wenigstens nicht mit dieser Warze abgeben!\u201c<br>\u201eIch habe mich irgendwie an ihn gew\u00f6hnt. Er ist lustig\u201c, gestand Harry und half Colin auf die Beine. Dann steckte er ihm einen feuchten Finger ins Ohr.<br>\u201eAber, aber\u201c, stotterte Colin, \u201emein Smartphone, ohne Smartphone kann ich nicht &#8230;\u201c<br>\u201eIch bin steinreich. Ich kaufe dir ein neues.\u201c<br>Und so verbrachten sie viele Stunden damit, ein neues Smartphone zu kaufen, einen Abovertrag auszuhandeln, das Ger\u00e4t einzurichten, sich eine Million Mal einzuloggen und sich coole Sonnenbrillen zu kaufen. Sie mieteten sich drei Elektroroller und rollten stilvoll in Richtung geheimer Zaubereiministeriumshauptsitzgeb\u00e4udeeingangst\u00fcr. Runald und Melville, die sich einen Roller teilten, st\u00fcrzten vier Mal und brachen sich nur wenige Knochen.<br>Bei ihrer Ankunft bemerkten sie, dass sie Melville verloren hatten. Wahrscheinlich war er irgendwann endg\u00fcltig vom Roller gefallen. Sie hatten keine Lust, ihn zu suchen, und widmeten sich ihrer superwichtigen Geheimmission.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">17.<br>Harry, Runald, Hormone, Mona und Colin blickten die Fassade des unscheinbaren Wolkenkratzers empor. Kein Merkmal unterbrach die Monotonie aus Glas und Beton. Die l\u00e4ssigen Sonnenbrillen sch\u00fctzten die Beobachter vor der gef\u00e4hrlichen Sonne, die sich auf den Scheiben spiegelte.<br>\u201eWie bin ich hierhergekommen?\u201c, fragte Harry. Seine Freunde hatten keinen Bock mehr auf das kaputte Gehirn ihres Anf\u00fchrers und dr\u00e4ngten ihn durch die Dreht\u00fcr in das Geb\u00e4ude.<br>\u201eIst das Gringotts?\u201c, wollte Harry wissen. \u201eRauben wir die Bank nochmal aus?\u201c<br>\u201eSiehst du hier irgendwo Kobolde? Spasti.\u201c Nun hatte sogar Runald die Geduld verloren. Er packte seinen Freund am Genick und stiess ihn in den riesigen, makellosen Fahrstuhl. W\u00e4hrend sie ins Stockwerk 9\u00be fuhren, konstruierten die Mitglieder von \u201aHier k\u00f6nnte ihr Text stehen\u2018, die ein funktionierendes Gehirn hatten, also nur Hormone, einen rudiment\u00e4ren unausgereiften Plan, der bestimmt gelingen w\u00fcrde, wenn dies ein Fantasyroman w\u00e4re, aber leider haben sich unsere Helden gegen die Erz\u00e4hlung gestellt. Alles k\u00f6nnte jetzt passieren. Zum Beispiel k\u00f6nnte Mona Liebtgut eine Schreibfeder ganz tief in Runalds Ohr rammen, behaupten, das w\u00e4re gut gegen die Nargel in seinem Kopf, und dann mit der blutigen Feder \u201aMona war hier\u2018 an den Spiegel an der R\u00fcckwand des Fahrstuhls schreiben. Das tat sie auch, aber Runald nahm es ihr nicht \u00fcbel.<br>\u201e9\u00be Stock. Strenggeheime Zaubereiministeriumshauptsitzgeb\u00e4udeeingangst\u00fcr\u201c, verk\u00fcndete eine sanfte Frauenstimme. Die Fahrstuhlt\u00fcren \u00f6ffneten sich und gaben den Blick auf eine riesige Lobby aus weissem Marmor frei. Niemand war zu sehen. Bis auf das Pl\u00e4tschern des riesigen Springbrunnens in der Mitte war nichts zu h\u00f6ren. Das Ger\u00e4usch rief allen in Erinnerung, dass sie dringend urinieren wollten, also entleerten sie sich gemeinsam in den Springbrunnen. Erst jetzt beachteten sie die goldene Statue: In der Mitte des Brunnens hockte eine Frau mittleren Alters, die eine Augenbinde aus Geldscheinen trug, w\u00e4hrend sie auf einen Stapel B\u00fccher pinkelte. Das Wasser str\u00f6mte dar\u00fcber und f\u00fcllte den Brunnen.<br>\u201eWas glaubt ihr, wer das ist?\u201c, fragte Colin.<br>\u201eJohanna Klaus Rohling\u201c, sagte Hormone.<br>\u201eDu weisst aber auch alles!\u201c, rief Runald.<br>\u201eDa ist eine Gravur, du Pfosten!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein glatzk\u00f6pfiger Sekret\u00e4r mit viel zu kleiner Brille, grauem Anzug und Lackschuhen klapperte \u00fcber den Marmorboden und informierte die Besucher h\u00f6flich \u00fcber den Standort der Toilettenr\u00e4ume.<br>\u201eIst nicht mehr n\u00f6tig, danke\u201c, sagte Harry und schloss seinen Hosenstall. \u201eArbeiten Sie hier? Ist das das streng geheime Ministeriumsdings?\u201c<br>\u201eDies ist der Hauptsitz des Flourish &amp; Blotts Verlagsimperiums.\u201c<br>\u201eWir m\u00f6chten den Zaubereiminister sprechen\u201c, verlangte Harry.<br>\u201eHaben Sie einen Termin? Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer ist sehr besch\u00e4ftigt.\u201c<br>An dieser Stelle nahm die ganze Band theatralisch ihre Sonnenbrillen ab.<br>\u201eIch bin Harry Fucking Potter, ich brauche keinen Termin! Und das hier sind meine Freunde: Rowan, Hedwig, Lenard und Colin.\u201c<br>\u201eRunald!\u201c, korrigierte der Falschvorgestellte. Hormone war sprachlos, dass sie mit einer toten Eule verwechselt wurde. Mona streichelte vertr\u00e4umt den Glatzkopf des Sekret\u00e4rs. Dieser stotterte etwas Unverst\u00e4ndliches und verschwand durch eine T\u00fcr hinter dem Empfangstresen.<br>\u201eIch dachte, du heisst James?\u201c, fragte der blonde Colin, der sein elektronisches Multifunktionsger\u00e4t nicht mehr aus der Hand legte.<br>\u201eWas?\u201c<br>\u201eHarry James Potter.\u201c<br>\u201eJa?\u201c<br>\u201eAch, egal.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Runald und Mona planschten im Brunnen, w\u00e4hrend sie auf die R\u00fcckkehr des Zaubereiministeriumsgeheimverlagssekret\u00e4rs warteten. Colin startete eine Live\u00fcbertragung, damit die ganze Welt die folgenden Ereignisse verfolgen konnte. Harry liess sich von der nun wieder geduldigen Hormone die bisherigen Ereignisse rekapitulieren: \u201eDu gehst seit dreiundzwanzig Jahren auf das Zaubererinternat, bist aber immer noch dreizehn, leidest unter der ewigen Pubert\u00e4t. Du lernst kaum etwas N\u00fctzliches, wirst belogen, ausgenutzt und gefoltert. Du hast neunmal den b\u00f6sen geisteskranken Mann besiegt, bist selbst ein- oder zweimal gestorben, hast deine Freunde sterben sehen, warst sehr mutig und hast allen Umst\u00e4nden zum trotz meistens triumphiert, auch wenn deine Freunde die meiste richtige Arbeit getan haben und du einfach nur sehr viel Gl\u00fcck hattest. Du hast fast keine Anerkennung daf\u00fcr erhalten, weil alle um dich herum alles vergessen. Du hast das Zeitgef\u00fchl verloren, die Kontinuit\u00e4t ist im Eimer, du weisst nicht mehr, was passiert ist oder noch passieren wird, Menschen sterben mehrmals, werden wieder lebendig und folglich geht dein Gehirn kaputt, du hast Ged\u00e4chtnisl\u00fccken, die ganze Realit\u00e4t droht auseinanderzubrechen. Du hast uns davon \u00fcberzeugt, dass diese Fuggelgedanken real sind, deshalb sind wir hier an allerh\u00f6chster Stelle, um uns offiziell zu beschweren. Wir fordern, dass keine weiteren Harry Potter Filme, Streamingserien, B\u00fccher, H\u00f6rspiele, Comics, Theaterst\u00fccke, Videospiele usw. etc. produziert werden, damit du, und wir alle, endlich Ruhe finden und ein normales Leben f\u00fchren k\u00f6nnen, mit oder ohne Magie.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">18.<br>\u201eDer Minister empf\u00e4ngt Sie jetzt, Mister Potter\u201c, verk\u00fcndete der Sekret\u00e4r mit der zu kleinen Brille und deutete auf eine mysteri\u00f6se schwarze T\u00fcr aus Massivholz. Vor Harrys innerem Auge flammten Erinnerungen hoch: Runalds sterbender Vater After Wiesel, eine Riesenschlange, hohe Regale mit Glaskugeln, gr\u00fcne Lichtblitze &#8230;<br>\u201eWaren wir hier nicht schon einmal? Beim letzten Mal war es schwerer, hereinzukommen.\u201c<br>Colin, Mona, Runald und Hormone versuchten, Harry zu folgen, wurden jedoch vom Sekret\u00e4r aufgehalten: \u201eNur Mister Potter. Die anderen m\u00f6gen freundlicherweise hier warten.\u201c<br>Hormone \u00fcberzeugte ihn mit logischen Argumenten, dass sie Harrys Vormund sei, der durch seinen Hirnschaden seine M\u00fcndigkeit verloren habe und folgte Harry durch die mysteri\u00f6se T\u00fcr. Runald wies sich als zertifizierter Therapiehund aus und wurde ebenfalls eingelassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie betraten ein grosses, helles B\u00fcro. Der Grossteil des Raumes wurde von einem massiven Mahagonischreibtisch eingenommen. Er war blitzeblank und aufger\u00e4umt, so wie es nur die Tische von Leuten sind, die nicht wirklich arbeiten und nur des Prestiges wegen ein B\u00fcro haben. Auf einer goldenen Plakette stand: \u201aPornelius Fugg \u2013 Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer\u2018. Runald versuchte \u2013 mit geringem Erfolg \u2013 sich das Lachen zu verkneifen. Hormone trat ihm auf die Zehen. Hinter dem Schreibtisch sass ein alter Mann mit Schwabbelbacken, Krawatte und Hut. Er stand auf und reichte Harry die Hand, der sie nur argw\u00f6hnisch be\u00e4ugte.<br>\u201eAh, Mister Potter, es ist mir eine Ehre, Sie nach all den Jahren endlich kennenzulernen. Darf ich Ihnen etwas anbieten? Whisky, Brause, Ziegenmilch?\u201c<br>\u201eLassen Sie das. Wir sind hier, um eine Szene zu machen. Einen Aufstand. Eine regelrechte Revolution!\u201c<br>Pornelius Fugg war vor den Kopf gestossen. Er spielte mit dem Gedanken, den Sicherheitsdienst zu rufen. Andererseits w\u00fcrde er selbst mit drei gest\u00f6rten Jugendlichen fertigwerden, sollte es erforderlich werden.<br>\u201eAber! Aber! Warum denn so aufgebracht? Bitte, setzen Sie sich doch. Sie auch, Ron und Hermine, und dann besprechen wir in aller Ruhe euer Anliegen.\u201c<br>Harrys Gehirn folgerte, dass, wenn er sich jetzt hinsetzte, er sp\u00e4ter besser einen Aufstand machen k\u00f6nnte, weil er dann synchron zum Aufstand auch physisch aufstehen konnte, was dramatisch wirken w\u00fcrde, und setzte sich brav hin, st\u00fctzte aber seine Turnschuhe auf der blanken Tischkante des Ministers ab, um seiner Ablehnung Ausdruck zu verleihen. Hormone und Runald setzten sich ebenfalls. Runald knurrte leise und fixierte Pornelius.<br>W\u00e4hrend einer langen Ansprache \u00fcber langj\u00e4hrige Zusammenarbeit, Umsatzzahlen, geistigem Eigentum, Auflagen und Filmrechte tauchte am Fenster hinter Pornelius\u2018 R\u00fccken ganz langsam ein blonder Haarschopf auf. Er stieg langsam h\u00f6her und blieb schliesslich genau vor dem Fenster des Ministers schweben. Colin grinste, filmte mit seinem neuen Smartphone das Geschehen im B\u00fcro und zeigte seinen Freunden ein Daumen-hoch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">19.<br>Hormone erhob sich und unterbrach den Vortrag: \u201eGenug von Ihrem Business-Sprech! Wir interessieren uns nicht f\u00fcr Ihre kapitalistischen Bestrebungen. Wichtig ist die geistige Unversehrtheit Harrys und des Gewebes der Realit\u00e4t. Wir fordern, dass die Marke Harry Potter, fanatische Tierwesen, Wizarding World und alles, was dazu geh\u00f6rt, sofort in den Ruhestand geht und niemals wiederbelebt wird, damit Harry erl\u00f6st wird und ein normales Leben f\u00fchren kann, mit Achterbahnen und Wanderungen.\u201c Harry und Runald nickten eindringlich.<br>\u201eMich d\u00fcnkt, auch Ihr Gehirn ist nicht mehr ganz frisch, Miss Granger. Haben Sie sich genau \u00fcberlegt, was Sie da sagen? Vergessen Sie diese Fuggelgedanken, gehen Sie zur\u00fcck ins Internat und lassen Sie sich alle von Madam Pomfrey \u00fcberpr\u00fcfen.\u201c<br>Harry stand auf und machte einen Aufstand: \u201eIch gehe seit zweiundzwanzig Jahren -\u201c<br>\u201eDreiundzwanzig\u201c, korrigierte ihn Hormone.<br>\u201e- dreiundzwanzig Jahren auf diese Schule, aber bin immer noch dreizehn Jahre alt! Wie oft habe ich den geisteskranken Mann besiegt? Ist Dumbledore tot oder lebendig? Ist Snake gut oder b\u00f6se? Ich blicke nicht mehr durch, die Fans auch nicht und Sie bestimmt auch nicht, Pornelius! Oder wie schaffen Sie es, den \u00dcberblick zu behalten?\u201c<br>\u201eWir lesen einfach das Harry-Potter-Wiki, wie jeder andere auch. Ausserdem f\u00e4llts keinem auf, wenn wir etwas durcheinanderbringen. Und wenn doch, sch\u00fctteln wir eine Erkl\u00e4rung aus dem \u00c4rmel: Traum, Illusion, Zeitreise, Magie, technische Probleme, Liebe. Das klappt immer.\u201c Der Minister stand auf und goss sich einen Whisky ein. \u201eSie haben sich da schon eine ganz ordentliche Geschichte \u00fcberlegt. Daraus k\u00f6nnte man eine Was-w\u00e4re-wenn-Episode basteln. Fehlt nur noch ein bisschen Liebe.\u201c Er schnippte mit den Fingern. Harry dr\u00e4ngte sich Hormone auf, versuchte, sie zu k\u00fcssen.<br>\u201eIch liebe dich, Hormone, lass uns viele Kinder machen und ihnen bescheuerte Namen geben\u201c, sagte Harry mit mechanischer, gef\u00fchlloser Stimme. Runald bellte aufgebracht. Hormone klatschte Harry mit Schmackes die offene Hand auf die Wange, was ihn wieder zur Besinnung brachte.<br>\u201eDanke\u201c, sagte Harry und rieb sich das rote Gesicht. Er wandte sich an Fugg: \u201eWar das eben der Imperius-Fluch? Das ist ein unverzeihlicher Fluch! Daf\u00fcr kommen Sie nach Askaban!\u201c<br>Pornelius Fugg lachte trocken: \u201eHaha. Ihr seid Romanfiguren, das geistige Eigentum der Flourish &amp; Blotts Verlagsgesellschaft. Ihr seid keine echten Menschen, ihr habt keine Rechte und wir k\u00f6nnen mit euch umgehen, wie es uns beliebt! Freut euch schon mal auf das kommende Marvel-Crossover, das wird ganz gross!\u201c<br>Nun erhob sich auch Runald. Die drei Freunde blafften ihren gemeinsamen Feind an: \u201eMarvel ist Scheisse!\u201c<br>\u201eDie Zuschauerzahlen sagen etwas anderes.\u201c<br>\u201eDa machen wir nicht mit!\u201c<br>\u201eIhr habt keine Wahl.\u201c Der Minister holte ein Computertablet aus einer Schublade hervor. Darauf zeigte er eine Aufnahme, auf der der haarige Hagrid am Rande des verkoteten Waldes einen Faustkampf gegen den unglaublich gr\u00fcnen Hulk austrug. Gerade sah es aus, als w\u00fcrde das Gesicht des Wildh\u00fcters zu blutigem Brei \u2013 Hormone quiekte emp\u00f6rt, Runald grinste \u2013, als ein grosses gefl\u00fcgeltes Pferd angeflogen kam.<br>\u201eSeidenschnabel!\u201c, freut sich Harry. \u201eOder m\u00fcssen wir schon\/noch Federfl\u00fcgel sagen?\u201c Der Hippogreif in der Videoaufnahme stach mit seinem spitzen Schnabel dem Hulk die Augen aus, dann riss er ihm den fleischigen Hals auf. Der Hulk brach zusammen, Seidenschnabel\/Federfl\u00fcgel liess von ihm ab und schnurrte. Hagrid stapfte zu seinem reglosen Gegner hin, brach ihm mit dem Ger\u00e4usch von tausend brechenden Baumst\u00e4mmen das Genick. Er streichelte seinen tierischen Freund und ging in seine H\u00fctte, um Felsenkekse zu backen.<br>\u201eBoah, Okay, das war irgendwie geil\u201c, gab Runald zu.<br>\u201eNaja, der Hulk geht ja noch einigermassen in Ordnung. Aber wenn erst alle die verweichlichten Imitationen des nordisch-germanischen Pantheons auftauchen, dann ist Sense\u201c, lautete Hormones Meinung. Runald nickte zustimmend. Hormone besann sich wieder ihrer Mission. Sie sch\u00fcttelte den Kopf, um den Superheldenkinomultiversumsunsinn zu vertreiben. \u201eAuch wenn wir gerne sehen, wie der Hulk auf die Fresse kriegt, schadet jede weitere Szene, jede Seite und jede Neuver\u00f6ffentlichung Harrys Gehirn und dem ganzen Universum. Was wird aus der Kontinuit\u00e4t der realen Welt, wenn wir auch noch den Hulk und Weiss-Merlin-Wen-Noch ber\u00fccksichtigen m\u00fcssen? Wollen Sie den auch in die Harry-Potter-Wiki eintragen? Die verfickte Welt geht unter, wenn Sie so weitermachen!\u201c Sie deutete auf das Tablet, auf dem der Minister nun Candy-Crush spielte.<br>\u201eFalsch\u201c, sagte Pornelius. \u201eDas Franchise ist alles. Und Moneten. Wir k\u00f6nnen Harry \u2013 und jeden von euch \u2013 ganz leicht durch eine schwarze Version von euch ersetzen, oder durch ein Hologramm, oder wir animieren euch, machen einen Anime, ist doch egal, die Leute kaufen jeden Mist, solange Harry Potter draufsteht. Erst recht, wenn sie daf\u00fcr ein Abo l\u00f6sen m\u00fcssen.\u201c<br>\u201eWovon reden Sie bloss?\u201c, fragte Harry, der immer noch \u00fcber das Seidenschnabel-Federfl\u00fcgel-Problem nachdachte.<br>Der Minister seufzte. Er war m\u00fcde und wollte nach Hause, um sein Geld zu z\u00e4hlen und seinen Hauselfen zu qu\u00e4len. \u201eEgal. Der Punkt ist, dass ihr uns geh\u00f6rt, ihr habt keine Rechte, das Gesetz steht auf unserer Seite. Seid brav und geht zur\u00fcck in eure Schule, oder ich f\u00fchle mich gezwungen, das Inquisitionskommando zu rufen.\u201c<br>Harry deutete zum Fenster: \u201eSehen Sie das h\u00e4ssliche blonde Kind da draussen? Es hat alles, was Sie gesagt haben, gefilmt und live im Internet verbreitet. Bald wimmelt es hier von aufgebrachten Fans, Schauspielergewerkschaften, Menschenrechtsorganisationen und Leuten, die einfach gerne randalieren.\u201c<br>Pornelius Fugg blickte erschrocken hinter sich. Colin winkte ihm grinsend zu. Als er sich umdrehte, hatte der Minister sich bereits wieder gefasst.<br>\u201eIch denke, ihr \u00fcbersch\u00e4tzt eure Position gewaltig. Auch in eure sogenannten Fans habt ihr zu viel Vertrauen. Sie k\u00fcmmern sich nicht um euch. Was sie wollen, sind neue Inhalte.\u201c Er dr\u00fcckte auf einen Knopf an einem Ger\u00e4t auf seinem Schreibtisch. Vierzehn Sekunden lang sahen alle betreten im B\u00fcro umher und sagten kein Wort, dann \u00f6ffnete sich die B\u00fcrot\u00fcr. Hereingest\u00fcrmt kamen Drago Malefoy, Vincent Scheisse und Gregory Gargoyle mit erhobenen Zauberst\u00e4ben. Hinter ihnen hergewatschelt kam die b\u00f6seste, abstossendste und verachtenswerteste Kreatur, die jemals ein Autor ersonnen hatte: Delorean Jane Humpridge.<br>\u201eSch\u00f6n. Sch\u00f6n sch\u00f6n sch\u00f6n\u201c, quakte sie.<br>Runald und Hormone inhalierten emp\u00f6rt den Raum, husteten und prusteten und w\u00fcrgten ihn wieder aus. Harry sah sich um, hielt Ausschau nach dem, was hier sch\u00f6n sein sollte. Vielleicht meinte sie den Tisch? F\u00fcr Harrys Geschmack war er zu sauber, aber da gingen die Meinungen bekanntlich auseinander &#8230; Oder Hormone, Hormone war sch\u00f6n, abgesehen von den Hasenz\u00e4hnen. Dann erinnerte er sich daran, dass diese b\u00f6se Kr\u00f6tenfrau ihn ein Jahr lang in der Schule gefoltert hatte, und danach noch acht weitere Jahre lang in seinen Tr\u00e4umen. Seine Hand fuhr unwillk\u00fcrlich zu seinem Unterarm, wo eine Narbe noch immer \u201aIch soll keine R\u00fcden erstehen\u2018 kundtat. Die abstossende Frau schwenkte ihren Zauberstab und sagte den Zauberaufl\u00f6sungszauber. Der schwebende Colin st\u00fcrzte aus dem 9\u00be. Stock zu Boden. Ihre Lakaien pieksten das Trio mit den Zauberst\u00e4ben, damit es mitkam. Die Gefangenen hatten bei all den Fuggelgedanken und Ablenkungen vergessen, ihre Zauberst\u00e4be zu z\u00fccken. Was soll nur aus dieser Geschichte werden, wenn unsere Helden sich nicht verteidigen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">20.<br>Harry erwachte auf eiskaltem Steinboden. Sein Alles tat Weh und der Rest auch. Es roch nach Erniedrigung und Verzweiflung. Nur eine kleine hellblaue Flamme erhellte den d\u00fcsteren Kerker. Harry kroch auf die Lichtquelle zu. Dort in der Ecke hockten Runald und Hormone aneinandergekuschelt und w\u00e4rmten sich an der Flamme.<br>\u201eHarry!\u201c Wir dachten schon, du verpennst das ganze behagliche Beisammensein\u201c, sagte sie. \u201eBevor du fragst: Man hat uns die Zauberst\u00e4be abgenommen und uns in diesen Kerker gesperrt. Wir sind meilenweit unter dem Ministerium. Du hast etwa zwei bis drei Tage gepennt. Niemand hat seither nach uns gesehen, ich denke, wir sollten hier verhungern. Die T\u00fcr ist stabil und der Raum ist abgeschirmt, wir k\u00f6nnen nicht den Verschwindibus-Zauber wirken.\u201c<br>\u201eWir k\u00f6nnen nicht Disabeamen?!\u201c<br>\u201eGenau. Aber Dobby war zwischendurch hier mit seiner Elfenmagie und hat uns Nachrichten, Socken und Nahrung gebracht.\u201c Jetzt erkannte Harry, dass seine Freunde dicke Wollsocken an H\u00e4nden und F\u00fcssen trugen und mit einem ganzen Haufen bunter Socken zugedeckt waren.<br>\u201eIch dachte, Dobby w\u00e4re &#8230; Warte, wenn wir keine Zauberst\u00e4be haben, wie hast du denn die Flamme hergezaubert?\u201c<br>Hormone z\u00f6gerte. \u201e\u00c4hm, Magie?\u201c<br>Harry setzte sich zu seinen Freunden ans Feuer. Er nahm sich eine Packung Schinkenspeckschnitzel vom Boden und w\u00e4rmte den Inhalt am Fl\u00e4mmchen.<br>\u201eKann Dobby uns nicht mitnehmen, wenn er disabeamt?\u201c<br>\u201eHaben wir versucht. Runald ist an der Decke wieder aufgetaucht und hat jetzt eine neue Narbe. M\u00e4chtige Magie ist hier am Werk.\u201c<br>Runald grinste. Eine blitzf\u00f6rmige Narbe zierte seine Stirn.<br>\u201eBoah, krass\u201c, staunte Harry, \u201edie ist noch h\u00fcbscher als meine Sekund\u00e4rnase.\u201c Sie machten Hochf\u00fcnf und freuten sich, entstellt zu sein. Hormone wartete geduldig, bis die Jungs sich wieder beruhigt hatten. Sie erz\u00e4hlte, dass Mona, Melville und Colin Creepy von ausserhalb versuchten, ihnen zu helfen, dass Dobby als Bote agierte und dass die Welt bald untergehen w\u00fcrde, weil in sieben Stunden der totale Harry-Potter-Marvel-Star-Wars-Greys-Anatomy-Multiversums-Crossover auf allen Streamingplattformen starten w\u00fcrde, was dem Gef\u00fcge der Realit\u00e4t den Todesstoss versetzen w\u00fcrde.<br>\u201eKann nicht jemand anders die Welt retten, solange ich hier gefangen bin? Was ist mit Dumbledore? Oder Shame-us oder Kingsley Sch\u00fcttelbolz?\u201c<br>\u201eDu bist der Protagonist, Harry. Du musst der Held sein. Du kannst dich nicht immer darauf verlassen, dass dir jemand aus der Patsche hilft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drei Stunden lang schmollten, weinten und schrien sie voller Verzweiflung. Die l\u00e4hmende Hilflosigkeit l\u00e4hmte sie und machte sie hilflos. Trotzdem schafften sie es, die Zeit sinnvoll zu nutzen und ihre negativen Gef\u00fchle in ein Depressive-Black-Metal-Album zu kanalisieren. Harry h\u00e4mmerte gegen die W\u00e4nde, bis seine H\u00e4nde zu fest aua machten. Dann resignierte er und schlug vor, vor dem Ende der Welt wenigstens noch eine ordentliche Orgie zu feiern.<br>\u201eHaben wir gestern schon\u201c, erkl\u00e4rte Runald und deutete auf einen Haufen leerer Schnapsflaschen und zerplatzter Kondome.<br>\u201eOhne mich?\u201c Harry kam der Verdacht, dass er nicht zuf\u00e4llig zwei oder drei Tage lang geschlafen hatte. \u201eWarum Kondome benutzen, wenn die Welt ohnehin bald untergeht?\u201c<br>\u201eWir haben die nicht benutzt, Runald hat damit und mit dem Schnaps Brandbomben gebaut. Hat nicht geklappt. Und dann haben wir ordentlich [zensiert].\u201c<br>\u201eOrdentlich [zensiert]?! Seid ihr nicht zu jung daf\u00fcr?\u201c<br>\u201eWir sind verheiratet und haben zwei Kinder und eines heisst sogar Hugo. Hugo, Harry!\u201c, erkl\u00e4rte Hormone.<br>Auf dieses schlagfertige Argument wusste Harry nichts mehr zu erwidern. Zeit verging, w\u00e4hrend er stumm sein lauwarmes Schinkenspeckschnitzel kaute.<br>\u201eUnd wann taucht Dobby wieder auf?\u201c \u201eDobby?\u201c, rief er laut. \u201eDoo-bii?\u201c Nichts geschah. Vielleicht war Dobby wieder tot. \u201eKreacher? Krii-tschaa?\u201c, rief Harry. Auch sein zweiter Sklave reagierte nicht. Wahrscheinlich hasste er ihn noch und hatte seine Charakterentwicklung noch nicht durchgemacht.<br>\u201eWas ist mit dem Aufstand? Der Revolution? Randalieren die Fans? Weinen die Politiker? Frohlocken die Journalistengeier?\u201c<br>\u201eN\u00f6. Einige haben sich bereiterkl\u00e4rt, die Serie nicht anzuschauen.<br>\u201eDas ist alles?!\u201c Harry war zutiefst emp\u00f6rt. Er hatte mehr Leidenschaft und Treue von seinen Fans erhofft. Vielleicht waren sie am Ende doch nur Kunden.<br>\u201eHormone, du hast doch ein tolles Gehirn? Irgendeine letzte, noch so geringe Chance?\u201c<br>Sie sch\u00fcttelte den Kopf, was allgemein als Verneinung galt und Runald im Gesicht kitzelte.<br>\u201eRunald?\u201c, er sprach seinen bestesten Freund an, der teilnahmslos vor sich hin starrte. \u201eWo ist nur euer Kampfeswille geblieben? Haus rot oder tot! Rot oder Tot!\u201c, skandierte er. Seine Freunde reagierten nicht. Vielleicht waren sie verhext worden, oder sie litten unter den Nachwirkungen der Orgie. Wer weiss, was f\u00fcr Zaubertr\u00e4nke Dobby ihnen gebracht hatte. Beide Optionen waren weniger be\u00e4ngstigend, als dass sie wirklich alle Hoffnung fahren gelassen hatten, fand Harry, und liess einen fahren. Die Kerkerwand explodierte mit einem ohrenbet\u00e4ubenden Krachen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">21.<br>Stein und Staub prasselten \u00fcber die Gefangenen. Sie husteten ganz fest. So eine sch\u00f6ne, grosse Explosion, und danach eine Riesensauerei, das konnte nur eines bedeuten: Ein alter Freud kam ihnen zur Hilfe! Der Staub legte sich sehr langsam. Dann, im Loch in der Wand, erblickten sie Shame-us Finnigan, der halbirische Halbzauberer mit dem Talent f\u00fcr Pyrotechnik.<br>\u201eMoin Harry.\u201c<br>\u201eShame-us!\u201c Harry frohlockte. Auch seine vier N\u00fcstern frohlockten, die den Brandgeruch vermisst hatten. \u201eIch wusste, irgendjemand w\u00fcrde uns irgendwann retten!\u201c<br>\u201eRetten? Ich bin auf meinem w\u00f6chentlichen Amoklauf, auf dem ich Sachen in die Luft sprenge. Kommt raus, ihr k\u00f6nnt mitspielen.\u201c<br>\u201eWie bist du an den Tortenessern und an den W\u00e4chtern vorbeigekommen?\u201c<br>\u201eUnsichtbarmachender Unsichtbarkeitslappen. Habe ich aus deinem Koffer geklaut \u2013 ich meine \u2013 ausgeliehen.\u201c Er reichte Harry den klebrigen Lappen. Gemeinsam spurteten sie den langweiligen Steinkorridor entlang. Zu beiden Seiten waren unz\u00e4hlige unscheinbare Holzt\u00fcren. Als sie sich wunderten, auf keinen Widerstand zu stossen, kamen ihnen vier vermummte Gestalten in langen Kapuzenm\u00e4nteln entgegen. Sie hoben ihre Zauberst\u00e4be, doch bevor sie angreifen konnten, entz\u00fcndete Shame-us\u2018 Molotowcocktail ihre Leiber. Sie schrien vor Schmerzen. Harry sog den Geruch von brennendem Stoff, Haaren und Menschenfleisch tief in beide Nasen. Die Gruppe folgte den leuchtend gr\u00fcnen Notausgangsschildern bis zu einem Treppenhaus. In starkem Kontrast zu den Kerkern war es hier nicht d\u00fcster, schmutzig und altmodisch, sondern weiss und hell. Die rohen Steine waren Gipsw\u00e4nden gewichen. Es roch nach Desinfektionsmitteln. W\u00e4hrend sie die Treppen hocheilten, erkl\u00e4rte Hormone, dass sie: 1. den Serverraum finden sollten, um die unheilvolle Ausstrahlung zu verhindern,<br>1. b) auf dem Weg Zauberst\u00e4be oder vergleichbare Waffen finden sollten,<br>2. die Firma\/ das Ministerium st\u00fcrzen, damit sie endlich in Ruhe leben konnten und<br>3., wenns geht, dabei nicht in den ewigen unumkehrbaren Zustand des Nicht-Nichtgestorbensein \u00fcberzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Armbanduhr, die Harry zu seinem siebzehnten Geburtstag bekommen hatte, zeigte an, dass sie nur noch einundzwanzig Minuten Zeit hatten, um die Welt zu retten. Weitere vermummte Gestalten in rahmbekleckerten Umh\u00e4ngen kamen ihnen entgegen. Kurzerhand flohen Harry, Runald, Hormone und Shame-us durch die erstbeste T\u00fcr, um den Tortenessern zu entfliehen. Runald murmelte einen Zauberbann, um die T\u00fcr hinter ihnen zu versiegeln, dann merkte er, dass er keinen Zauberstab hatte. Er f\u00fchlte sich schwach und hilflos. Hauselfen, Kobolde und andere Gesch\u00f6pfe zauberten ganz gut ohne Stecken, aber die ach-so-tollen Menschenzauberer waren so gut wie nutzlos, sobald man sie entwaffnete. Zu seiner grossen Freude entdeckten sie eine T\u00fcr mit der Aufschrift \u201aWaffenkammer\u2018. Sie war unverschlossen. Er nahm sich ein schweres Maschinengewehr und Ersatzmunition. Hormone entschied sich f\u00fcr eine handliche Pistole, Shame-us f\u00fcr einen Raketenwerfer und einige Handgranaten. Der Protagonist griff nach einem Langschwert, denn damit hatte er schon Erfahrung. Derart schwer beladen setzten sie ihren Weg fort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">22.<br>\u201eJa. Aha. Ja. Links, rechts, dritte rechts, links, oben, gr\u00fcn, Select, Start &#8230; verstanden. Danke, Colin.\u201c Hormone h\u00e4ngte den H\u00f6rer des Notfalltelefons wieder an die Wand.<br>\u201eMir nach!\u201c, befahl sie und rannte los. Gr\u00fcne und rote Lichtblitze schossen an ihnen vorbei. Runald blieb stehen, ging in die Hocke und dr\u00fcckte den Abzug des Maschinengewehrs. Nichts geschah. Er liess das schwere Ger\u00e4t fallen und w\u00fcnschte sich, er h\u00e4tte seinem Vater After besser zugeh\u00f6rt, wenn er von Muggeltechnik geschw\u00e4rmt hatte. Hormone, die Muggelkunde belegt hatte, sandte mit ihrer Pistole mehrere Geschosse in Richtung der Tortenesser, verfehlte aber und traf stattdessen Runalds Schulter. Im n\u00e4chsten Augenblick schlugen mehrere Lichtblitze in seine Brust. Er sackte reglos zusammen.<br>Harry und Hormone schrien ein dramatisches, langgezogenes \u201eRuuunaaaaaaald!\u201c. Sie versuchten, ihren gefallenen Kameraden zu erreichen, doch die Fl\u00fcche, die ihnen um die Ohren flogen, n\u00f6tigten sie zur Flucht. Mit Tr\u00e4nen in den Augen liessen sie Runald zur\u00fcck. Hormone f\u00fchrte sie weiterhin an, folgte den Anweisungen, die sie telefonisch von Colin erhalten hatte. Pl\u00f6tzlich tauchte vor ihnen eine Gruppe Feinde auf. Eine Handgranate wurde von Shame-us geworfen, wurde aber prompt magisch entsch\u00e4rft. Sie kullerte harmlos wie ein Stein \u00fcber den Boden. Harry holte zu einem Schwerthieb aus, doch Hormone zerrte ihn und Shame-us durch eine T\u00fcr in ein B\u00fcro. Es gab keine anderen T\u00fcren, keine Fenster. Sie waren in eine Sackgasse gelaufen. Keuchend verriegelten sie das gew\u00f6hnliche T\u00fcrschloss, was bestimmt nichts n\u00fctzte gegen zaubernde Tortenesser, aber man tat, was man konnte, und im Moment war das nicht viel. Harrys Zeiger stand auf sieben Minuten vor Mitternacht, wenn man den Beginn der Apokalypse als Mitternacht ansah, auch wenn es in dieser Zeitzone um einundzwanzig Uhr sein w\u00fcrde.<br>\u201eZeitzonen!\u201c Harry war eben ein Licht aufgegangen. Auf dem Weg von Hogwash \u00fcber London nach [geheim] hatten sie mehrere Zeitzonen durchquert und nie hatte er seine Uhr nachgestellt. Sein Gehirn rechnete fieberhaft: Wenn ein Zug um f\u00fcnf Uhr morgens in Hogsmeade mit achtunddreissig Passagieren abfuhr, beim n\u00e4chsten Halt f\u00fcnf ausstiegen und elf zustiegen, sie wegen einer Versp\u00e4tung den Anschlusszug um zwei Minuten verpassten, der n\u00e4chste aber erst in einer Stunde fahren w\u00fcrde, die Passagiere vierhundertneunzig Halbliterdosen Bier und zwei Kisten Schinkenspeckschnitzel kauften, davon vierhundertsechsundsechzig Bierdosen und hundertzw\u00f6lf Schinkenspeckschnitzel konsumierten, wie oft mussten sie die Toilette benutzen? Harry sch\u00fcttelte den Kopf. Darum ging es nicht. Er versuchte es weiter: Wenn sie sechsunddreissig weitere Male umgestiegen waren, eine Zeitzone nach Westen und drei Zeitzonen nach Osten durchquert hatten, das Flugzeug vierunddreissig Prozent schneller gewesen w\u00e4re, Harry zwischendurch eingeschlafen war, eine unbekannte Anzahl Erinnerungsl\u00fccken erlitten hatte, und wenn er davon ausging, dass ihm der Weltuntergangstermin in aktueller Lokalzeit vermittelt wurde, dann hatte er keine Ahnung, wie viel Zeit ihnen noch blieb. Er st\u00f6hnte und rieb sich die Schl\u00e4fen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">23.<br>\u201eKommt raus zum spieleeen!\u201c Eine fr\u00f6hliche Frauenstimme rief nach ihnen. Durch das kleine tr\u00fcbe Fenster in der T\u00fcr sahen sie viele dunkle Gestalten sich im Korridor herumtummeln.<br>\u201eScheisse\u201c, fl\u00fcsterte Hormone. \u201eDas ist Bellatrix Diefremde! Sie ist die wahnsinnigste von allen Anh\u00e4ngern des geisteskranken Mannes. Niemand hat jemals so viel Torte gegessen wie sie.\u201c Sie wunderte sich, warum ihre H\u00e4scher nicht einfach ins B\u00fcro eindrangen und sie erledigten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pl\u00f6tzlich wurde es so dunkel, als h\u00e4tte jemand peruanisches Instant-Finsternispulver verwendet. Harrys zweiter Gedanke war, dass er wieder ohnm\u00e4chtig wurde, doch er konnte das Heft des Schwertes weiterhin schwer in seinen H\u00e4nden sp\u00fcren. Er roch verbrannten Toast, jedoch nur in seiner Prim\u00e4rnase, in der Sekund\u00e4rnase hingegen kitzelte es wie verr\u00fcckt. Harry nieste mit der Kraft von einem Dutzend Kanonen. Als er die Augen \u00f6ffnete, war es wieder hell. Er stand am Bahnhof Kings Cross.<br>\u201eNicht schon wieder! Ich habe die Nasen gestrichen voll!\u201c, rief Harry. Er sah sich um. Diesmal war etwas anders. Es war nicht still und friedlich hier. Eine Kakofonie aus zahllosen Ger\u00e4uschen und Stimmen hallte durch die Halle. Gleich neben ihm stand Professor Flickwerk und wusch Mund-dungus Fletcher die Haare, der Mace Windu eine Geschichte \u00fcber Gargamel erz\u00e4hlte, wie dieser damals den Holunderstab von Pocahontas bekommen hatte. Daneben zankte sich Zonko mit Udo Bagman \u00fcber den Preis, den er f\u00fcr einen Klon von Fleur von Chur verlangte, der gerade mit Legolas tanzte. Dazu musizierten Gallert Grindelwald, der fliegende blaue Ford Anglia, Mad-Eye Rudi und Batman auf gl\u00fchenden Blasinstrumenten, die bei jedem Ton schweflige D\u00e4mpfe ausstiessen. Der arge Filz versuchte, mit einem F\u00e4cher in der Form eines Mantarochen die D\u00e4mpfe von sich fernzuhalten, wedelte sie aber zu Runalds unz\u00e4hligen Br\u00fcdern, die drohend die Kn\u00f6chel knackten und auf den argen Filz zugingen. Daredevil unterbrach seine Unterhaltung mit Olli Wander \u00fcber die korrekte Einstellung der Tr\u00e4gheitsd\u00e4mpfer der USS Enterprise, um dem wedelnden Hausmeister beizustehen. Rita von Kimme und Korn filmte das Geschehen mit einer riesigen Kamera, w\u00e4hrend ihr Griphook die Waden mit einem Kugelschreiber massierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Harrys Gehirn schrie. Und dann sein Hals. War er wieder tot? Erlitt er ein Aneurysma? War das real? War er real? Was bedeutete \u00fcberhaupt Realit\u00e4t? Hatte er in seinem tiefsten Inneren nicht gewusst, dass er eine Romanfigur war? Konnte er \u00fcberhaupt irgendetwas tun und spielte es eine Rolle was? Weiche H\u00e4nde l\u00f6sten den Knoten in seinem Gehirn. Neben ihm standen Hormone und Shame-us, die echt waren, oder jedenfalls echter als das Theater um ihn herum. Als Harry wieder regelm\u00e4ssig atmete, stibitzte Hormone den Zauberstab einer Yoda-Illusion, die sich mit Saruman duellierte. Noch bevor der kleine gr\u00fcne Jedi-Meister vom Zorn seines Gegners getroffen wurde, petrificus-totaluste Hormone so hart, dass alles um sie herum still stand. Exakt drei Siebtel alle Betroffenen fielen mit einem Badumpf zu Boden. Nur Harry und Shame-us regten sich noch.<br>\u201eDiese Schweine!\u201c Hormone schrie, spuckte und weinte. \u201eSie &#8230; sie haben es tats\u00e4chlich getan! Die gesamte Realit\u00e4t, zerst\u00f6rt durch eine Streamingserie.\u201c Sie fiel auf die Knie und schn\u00e4uzte sich in Harrys Umhang. Harry t\u00e4tschelte ihren Wuschelkopf und sah sich um. Shame-us sagte kein Wort. Er spielte mit einer Handgranate und fragte sich wohl, wen oder was er in die Luft sprengen k\u00f6nnte. Auf seinem R\u00fccken trug er immer noch den schweren Raketenwerfer. Zwischen all den bekannten und unbekannten Figuren, die mitten in der Bewegung erstarrt waren, als h\u00e4tte jemand die Zeit angehalten, bewegte sich etwas.<br>\u201eTschuldigung, tschuldigung, darf ich?\u201c Die Gestalt kam n\u00e4her.<br>\u201eIst das &#8230; Melville?\u201c Jetzt erkannte Harry sein Arschgesicht. Es war definitiv Melville Longbottom.<br>\u201eMelville! Wie bist du hier her gekommen? Warum bist du nicht gel\u00e4hmt?\u201c<br>\u201eMelville?\u201c, fragte Melville verwirrt. \u201eIch bin der Doktor, sehr erfreut.\u201c Er sch\u00fcttelte Harry und Shame-us hastig die H\u00e4nde. Hormone h\u00f6rte endlich auf zu flennen und stand wieder auf.<br>\u201eDoktor wer?\u201c<br>\u201eJa genau. Oh, das funktioniert nur auf Englisch. Egal.\u201c Der Melville-Doktor zappelte kontinuierlich herum, was unsere Helden nerv\u00f6s machte. \u201eSchnibbedi-Schnick, die Zeit hat einen Knick. Ich bin schick und zeige euch jetzt einen Trick. Ich rette die Realit\u00e4t, immer ganz kurz bevor es ist zu sp\u00e4t.\u201c<br>\u201eH\u00f6ren Sie sofort auf zu rappen, oder ich stecke Ihnen mein Schwert in die Nase!\u201c, drohte Harry. Der angebliche Doktor wirkte gekr\u00e4nkt oder tat wenigstens so als ob.<br>\u201eDanke, ich habe mein eigenes.\u201c Er z\u00fcckte ein kurzes Ger\u00e4t aus seiner Tasche, das wie eine Taschenlampe oder ein anderes Muggelger\u00e4t aussah. Ein lustiges Summen kam daraus hervor und ein Ende leuchtete blau. Er fuchtelte damit herum, zw\u00e4ngte sich zwischen Barty Couch Junior und Stan Schundpiek hindurch, erschrak sich an Wurmpenis\u2018 h\u00e4sslicher Rattenfratze, brach Ching Chang Chong versehentlich einen Finger und b\u00fcckte sich schliesslich, um seinen Muggelzauberstab auf den Boden zu richten. Harry und Hormone folgten ihm.<br>\u201eWas haben Sie mit Melville gemacht? Haben Sie Vielsafttrank getrunken?\u201c, verlangten sie zu wissen.<br>Der Doktor redete sehr schnell: \u201eIch keine keinen Melville, naja ich kenne viele Melvilles, aber wenn ihr mein Gesicht meint, ich habe es nur ausgeliehen, ich habe es nie getroffen, denke ich.\u201c Er hatte eine Luke im Boden ge\u00f6ffnet, aus der er nun scheinbar wahllos Kabel herausriss. Harry und Hormone konnten sich nicht erkl\u00e4ren, wie jemand, der sich ein Gesicht aussuchen konnte, ausgerechnet Melvilles w\u00e4hlen sollte. Der mysteri\u00f6se Mann plapperte unabl\u00e4ssig, w\u00e4hrend er in der Technik w\u00fchlte. \u201eB\u00f6se, b\u00f6se, Verlagsgesellschaften. Das passiert leider \u00f6fter. Behaupten, die Fans w\u00fcrden das so wollen, obwohl es nur um Geld und Macht geht. Ganz selten mal um Liebe. Naja, einmal. Und dann geht das Universum unter und ich muss alles wieder richten. Wenn ich jetzt die Polarit\u00e4t umkehre, dann sollte das &#8230;\u201c Das Kabel zwickte den Doktor, er lutschte sich die Finger und machte weiter. \u201eFreches Ding! Ich will dir doch nur helfen!\u201c Er steckte seinen Zauberstab hinein und die gesamte Umgebung wurde tr\u00fcber und immer tr\u00fcber, bis sie verschwand. Im n\u00e4chsten Augenblick standen der Doktor, Harry und Hormone in einem Raum voller riesiger Computer. Die Rechenmaschinen zischten und rauchten.<br>\u201eTa-daa!\u201c, rief der Doktor, lief in eine blaue Polizeinotrufzelle, die drei mal wuuschte und das Ding verschwand mitsamt dem mysteri\u00f6sen Helfer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">24.<br>Harry und Hormone standen reglos im zerst\u00f6rten Serverraum des Ministeriums und versuchten, zu erfassen, was gerade passiert war. Es roch angenehm nach Kabelbrand und versengtem Plastik.<br>\u201eWarte, wo ist Shame-us? Wir haben Shame-us vergessen!\u201c Harry raufte sich die Haare.<br>\u201eHat der Mann, der aussah wie Melville Longbottom, gerade in letzter Sekunde die Welt gerettet? Dann h\u00e4tten wir also \u00fcberhaupt nichts tun m\u00fcssen?!\u201c Hormone knirschte verzweifelt mit den Hasenz\u00e4hnen. \u201eDas ist zum M\u00e4usemelken! Ich will f\u00fcr meine Arbeit belohnt werden! Gib mit bitte eine Note Harry. Bitte!\u201c Sie packte ihn am Kragen. Ihr wahnsinniger Blick machte ihm Angst.<br>\u201e\u00c4hm &#8230; Kraft meines mir nicht verliehenen Amtes gebe ich Hormone Ranger zehn Punkte f\u00fcr Haus Rot und ein Ohnegleichen f\u00fcr \u00e4hm &#8230; Heldentaten und \u00e4hm Nichtgestorbensein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Harry und Hormone verliessen den ruinierten Serverraum und begaben sich in den n\u00e4chsten Waschraum, um sich frisch zu machen, doch das war langweilig, weshalb der Autor entschloss, dies unerw\u00e4hnt zu lassen. W\u00e4hrenddessen diskutierten sie das Geschehene. Sie kamen zu dem Schluss, dass Shame-us vielleicht seit der Befreiungsaktion nicht echt gewesen war, weshalb er das Herunterfahren durch den Melville-Doktor nicht \u00fcberstanden hatte, jedenfalls hofften sie es, denn einfach nur zu Verschwinden w\u00e4re bestimmt nicht Shame-us\u2018 bevorzugte Todesart gewesen. Sie beschlossen, ihm zu Ehren das ganze Geb\u00e4ude in die Luft zu sprengen, sollte sich die Gelegenheit bieten. Zusammen mit allen Illusionen war auch Hormones Yoda-Zauberstab verschwunden. Die Pistole hatte sie irgendwo verloren, das Langschwert aus der Waffenkammer hingegen war noch in Harrys Besitz. Sie verliessen die Toilettenr\u00e4ume, schlugen mit dem Schwert die Scheibe eines Snackautomaten ein, \u00e4rgerten sich \u00fcber das mangelnde Angebot von Schinkenspeckschnitzeln, griffen stattdessen nach einer Packung Berty Botts Bohnen jeder Geschmacksrichtung, drei Kesselkuchen und einer Flasche K\u00fcrbissaft. Hormone schnitt sich dabei den Unterarm auf. Sie fluchte, riss ein St\u00fcck von Harrys Hemd ab, um die Blutung zu stoppen. Mitten im Bandagieren hielt sie inne und brach in schallendes Gel\u00e4chter aus.<br>\u201eWenn davon eine Narbe bleibt, und ich es von der anderen Seite lese, steht da nicht mehr \u201amudblood\u2018, sondern \u201apoopcow\u2018.\u201c Sie lachten z\u00fcnftig, st\u00e4rkten sich ohne die St\u00f6rung von Tortenessern, Sicherheitspersonal oder Polizisten und atmeten tief durch.<br>\u201eMerkw\u00fcrdig ruhig hier\u201c, sagte Harry und spuckte eine Bohne aus, die nach Zimt schmeckte. Er nahm sich eine, die nach Bohnen schmeckte. \u201eMan k\u00f6nnte meinen, nach allem, was passiert ist, w\u00e4re hier die H\u00f6lle los.\u201c<br>Hormone zuckte die Achseln. \u201eIch habe den Faden verloren. Lass uns Runald suchen, das Geb\u00e4ude anz\u00fcnden und abhauen.\u201c Harry hatte sie noch nie so apathisch gesehen. Er w\u00fcnschte sich die alte Freundin zur\u00fcck, deren Gehirn nie Ruhe gab. Wenn nun sogar Hormones Superhochleistungsgehirnvorrichtung beeintr\u00e4chtigt war, dann war ihre Mission noch nicht vorbei \u2013 im Gegenteil \u2013 sie fing gerade erst richtig an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">25.<br>Der Unsichtbarkeitslappen wehte um seine F\u00fcsse, als Harry zum Fahrstuhl rannte. Niemand begegnete ihm auf dem Weg in den 9\u00be. Stock. Der Fahrstuhl roch nach Zuckerguss. Die Eingangshalle war leer. Der urinierende Brunnen war noch von einem Hauch Pipi umgeben. Harry ging geradewegs daran vorbei auf die schwarze T\u00fcr zu, die nur angelehnt war.<br>\u201eMelville Longobttom hat unseren Serverraum zerst\u00f6rt? Dasselbe Arschgesicht, das meine liebe Vagini enthauptet hat?!\u201c<br>\u201eJ-ja Meister, ich f\u00fcrchte schon. Die \u00dcberwachungskameras zeigen es.\u201c<br>Harry schlich sich n\u00e4her zur T\u00fcr, zog den Unsichtbarkeitslappen enger um sich. Durch den Spalt sah er Pornelius Fugg blass und ausgemergelt auf dem Boden knien. Von seiner Arroganz war nichts mehr \u00fcbrig. Harry reckte den Hals, um die zweite Person zu ersp\u00e4hen, konnte allerdings niemanden sehen. Er wagte nicht, die T\u00fcr weiter aufzustossen. Er lauschte.<br>\u201e\u00dcberwachungskameras?\u201c<br>\u201eEin Sicherheitsger\u00e4t der Muggel, sehr effektiv.\u201c<br>\u201eDamit kann ich \u00fcberall gleichzeitig hinsehen?\u201c Der Meister klang fasziniert. Pl\u00f6tzlich war ein Schrei zu h\u00f6ren, gefolgt von einem Treiben und schnellem Gerede.<br>\u201eWie sehe ich aus? Sitzt sie gerade?\u201c, wollte der Meister wissen.<br>\u201eJ-ja, Gebieter, sie passt wie Arsch auf Eimer. Ihr seid wunderh\u00fcbsch, mein Lord.\u201c<br>Hatte Harry eben \u201aLord\u2018 geh\u00f6rt? Deshalb also kitzelte seine Sekund\u00e4rnase so sehr, seit er in diesem Geb\u00e4ude war. Harry liess alle Vorsicht ausser Acht. Er trat mit Schmackes die T\u00fcr auf, warf den Lappen ab und schrie aus Gewohnheit \u201eExpelliarmus!\u201c, obwohl er keinen Zauberstab trug. Zur Verbl\u00fcffung aller Anwesenden schoss aus Harrys Zeigefingerspitze ein hellblauer Lichtblitz, prallte in spitzem Winkel von der Wand ab, schlug in die Whiskeybar ein und liess Scherben und Spirituosen regnen. Pornelius warf vor Schreck seinen Zauberstab weg, der aus dem offenen Fenster flog. Harry hatte seinen Lieblingszauber so sehr perfektioniert, dass er ihn ohne arkanen Fokus wirken konnte. Er freute sich sogar ein bisschen, seine Nemesis, den geisteskranken Mann, zu sehen, denn nun konnte er seine neuen F\u00e4higkeiten in einem epischen Bosskampf erproben, doch etwas machte Harry stutzig. Mitten im aschfahlen Gesicht mit den Schlangenaugen, das ihn seit neunzehn Jahren in seinen Albtr\u00e4umen verfolgte, sass eine grosse, wohlgeformte, braungebrannte Menschennase. Sie kontrastierte so stark mit dem Rest des Gesichts, dass Harry unwillk\u00fcrlich lachen musste. Fast w\u00e4re ihm das Schwert aus der Hand gefallen.<br>\u201eWarum lachst du?!\u201c, schrie der geisteskranke Mann. Er wandte sich an seinen Diener: \u201eDu hast gesagt, sie sehe toll aus! Ihr alle habt das gesagt!\u201c Pornelius bibberte.<br>\u201eKlassisches Tyrannenproblem\u201c, erkl\u00e4rte Harry. \u201eNiemand traut sich, schlechte Nachrichten zu \u00fcberbringen, weil sie daf\u00fcr m\u00f6glicherweise gefoltert oder get\u00f6tet werden. Alle geben dir Recht und sagen nur, was du h\u00f6ren willst. Dadurch entgehen dir wichtige strategische Informationen. Zum Beispiel, dass deine Gefangenen ausgebrochen sind.\u201c Harry freute sich, doch etwas auf Hogwash gelernt zu haben, dann merkte er, dass ihm das Hormone beigebracht hatte. Hoffentlich hatte sie inzwischen Schr\u00f6dingers Runald gefunden.<br>\u201eDas spielt bald keine Rolle mehr! Neunundsechzig Jahre lang habe ich auf diesen Moment gewartet! Endlich &#8230;\u201c, sagte die b\u00f6se Stimme und wurde unterbrochen.<br>\u201eNeunundsechzig? Das kann nicht stimmen. Vielleicht sollten die Zauberer beginnen, Mathematik zu unterrichten.\u201c<br>\u201eDu vergisst unseren Kampf im Weltenraum vor drei Jahren, die Zeitdilatation &#8230;\u201c<br>\u201eDu hast recht, Tom, das habe ich vergessen. Du warst also im All? Ist es wahr, dass der Mann im Mond mich im Schlaf beobachtet?\u201c<br>\u201eGenug jetzt!\u201c, zischte der geisteskranke Mann. \u201eJetzt hole ich mir meine Nase zur\u00fcck, und deine nehme ich gleich dazu. Avadaaa &#8230;\u201c Er erhob den Zauberstab, doch Harry unterbrach ihn: \u201eEs heisst Avada, nicht Avadaaa &#8230;\u201c<br>\u201eWas?!\u201c<br>\u201eAvada Kedavra!\u201c, rief Harry in perfekter Betonung. H\u00e4tte er seinen Stecken gehabt, w\u00e4re der dunkle Lord jetzt wohl gestorben. Stattdessen schnudderte Harry gewaltig aus allen vier N\u00fcstern. Vier gr\u00fcne Schleimstrahlen vereinten sich zu einem, dieser traf des geisteskranken Mannes Zauberstabhand. Der dunkle Lord schleuderte den Stab weg, wischte die Hand an Pornelius Fuggs Ledersessel ab. Angeekelt starrte er den Stecken an, wagte es jedoch nicht, ihn anzufassen.<br>\u201eDu Rotzg\u00f6r! Jetzt ist Sense!\u201c Doch anstatt einer Sense zog er einen Krumms\u00e4bel unter dem Mahagonischreibtisch hervor. Harrys Blick fiel auf das Schwert in seiner eigenen Hand. Darum also hatte er dieses schwere Ding die ganze Zeit \u00fcber mit sich herumgetragen. Er hob es \u00fcber seinen Kopf und spaltete den massiven Schreibtisch, als w\u00e4re er ein Holzscheit. Pornelius Fugg floh kreischend aus dem B\u00fcro. Der geisteskranke Mann sprang \u00fcber die Tr\u00fcmmer hinweg und hieb mit dem Krumms\u00e4bel nach Harry. Ein atemberaubender Schwertkampf brach los im B\u00fcro des Ministers. H\u00e4tte jemand zugesehen, h\u00e4tte er Harrys pr\u00e4zise Beinarbeit bewundert, des dunklen Lords Finesse bestaunt und sich an der effektvollen Zerst\u00f6rung des Mobiliars erfreut. Die \u00dcberlegenheit des geisteskranken Mannes wurde nur dadurch geschm\u00e4lert, dass er regelm\u00e4ssig seine Nasenprothese berichtigen musste.<br>Schon nach zwei Minuten adrenalingeladenen Kampfes wurden die Bewegungen beider Duellanten tr\u00e4ger. Sie schwitzten, rangen nach Luft und wurden immer langsamer. Schliesslich schepperten beide Schwerter simultan zu Boden, die K\u00e4mpfer lehnten sich keuchend an gegen\u00fcberliegende W\u00e4nde. Wer h\u00e4tte gedacht, dass Muggelk\u00e4mpfe so kr\u00e4ftezehrend waren? Vielleicht w\u00e4ren sie fitter, w\u00e4ren sie nicht so oft gestorben. Der geisteskranke Mann nutzte die Pause, um den obligatorischen B\u00f6sewicht-erkl\u00e4rt-in-aller-Ruhe-seinen-Plan-zur-Weltherrschaft-Monolog zu halten:<br>\u201eSchon lange habe ich die Flourish &amp; Blotts Verlagsgesellschaft infiltriert. Jede Idee, war sie auch noch so d\u00e4mlich, habe ich durchgewunken und finanziert. Es hat funktioniert, auch wenn es l\u00e4nger ging, als ich dachte. Der Schleier zwischen Realit\u00e4t und Illusion wurde immer d\u00fcnner, und du wurdest stetig verwirrter. Anfangs hatte ich gehofft, dadurch eine Realit\u00e4t zu erschaffen, in der du mich niemals verst\u00fcmmelt hast. Hunderte von absurden Geschichten habe ich produziert, aber in keiner davon hatte ich meine Nase wieder. Ich war so h\u00fcbsch, als ich noch der Riddler war &#8230;\u201c Der geisteskranke Mann kramte in der Whiskeybar nach einer heilgebliebenen Flasche, schenkte sich ein Glas ein und nippte daran. \u201eWenn ich endlich wieder h\u00fcbsch bin, dann werde ich der Protagonist. Schluss mit Harry Potter und dies, Harry Potter und das. Dann heisst es Lordemort und die Ermordung des frechen Bengels. Lordemort und der Triumph der Tortenesser. Lordemort und die Malefoys feiern Weihnachten! Lordemort und &#8230; so weiter. Deine geistige Beeintr\u00e4chtigung brachte mich schliesslich auf eine bessere Idee. Durch immer hahneb\u00fcchendere Spin-Offs, Crossover, Remakes, Re-Releases und Adaptionen schw\u00e4chte ich dich, Harry Potter, immer mehr. Nun bist du bereitwillig zu mir gekommen, ohne Zauberstab und ohne Plan.\u201c Der geisteskranke Mann lachte diabolisch. Es hallte lange im B\u00fcro wieder. Die Akustik war einwandfrei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">26.<br>Ein halbtransparenter weisser Gespensterhund betrat den Raum durch den Fussboden. Er \u00f6ffnete seine Schnauze und sprach in Runalds Stimme: \u201eSpring aus dem Fenster in vier &#8230; drei &#8230;\u201c Harry hechtete wie ein echter Held aus dem Hause Rot aus dem Fenster. Der Wolkenkratzer explodierte. Im Gegensatz zum World Trade Center wurde er innert Sekunden vollst\u00e4ndig pulverisiert. 9\u00be Stockwerke tiefer landete er weich auf einem glitschigen Haufen Gew\u00e4chs. Glassplitter und Betonstaub prasselten auf Harry und seine Freunde nieder, die er noch nicht wahrgenommen hatte. Viele H\u00e4nde zerrten ihn von dem Gew\u00e4chs herunter, bevor die Teufelsschlingen Harry erdrosseln konnten. Harrys Zauberstab wurde ihm von Hormone in die Hand gedr\u00fcckt. Harry, Hormone, Mona, Melville, Colin sowie die nicht-gestorbenen Runald und Shame-us blickten hoch zum ehemaligen Ministeriumsgeb\u00e4ude. Eine riesige Flammens\u00e4ule loderte vom Boden bis zum Himmel empor. Daraus hervorgeflogen kam eine Gestalt. Es war der geisteskranke Mann, der lichterloh brannte, aber ansonsten schien es ihm gut zu gehen. Aufrecht schwebend kam er auf die sieben Freunde zu. Erneut liess er sein diabolisches Lachen erschallen. Sieben Zauberst\u00e4be erhoben sich, sieben M\u00fcnder riefen gleichzeitig Expelliarmus und Aguamenti und Crucio und Bombarda und Stupor und Avada Kedavra und sogar Flipendo. Die Fl\u00fcche vereinten sich am Ziel, wo Lord Flammdemort in einer Dampfwolke verpuffte. Eine Weile schauten sie dem Feuer zu, um sicher zu gehen, dass der geisteskranke Mann in den ewigen unumkehrbaren Zustand des Nicht-nichtgestorbenseins \u00fcbergegangen war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eUnd was machen wir jetzt, Harry?\u201c, fragte Runald.<br>\u201eKeine Ahnung. Etwas unmagisches, wie zum Beispiel eine B\u00e4ckerei zu er\u00f6ffnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">27.<br>\u201eHuuugo, geh doch bitte zu Tante Luna und bring noch einen Stapel Klitterer mit, wir haben fast kein Einpackpapier mehr.\u201c<br>\u201eJa, Onkel Harry.\u201c Der kleine Hugo schl\u00fcpfte in Jacke und Klettverschlussschuhe und eilte nach draussen ins Schneegest\u00f6ber. Frische, k\u00fchle Luft vermischte sich mit dem warmen Geruch frisch gebackenen Brotes.<br>\u201eAlbus, sei so gut und hol noch einen Sack Dinkelmehl aus dem Lager nach oben.\u201c<br>\u201eD\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4d, das ist Kinderarbeit!\u201c<br>\u201eLos jetzt, du darfst daf\u00fcr heute Abend mit Scorpius ins Kino. Von mir aus k\u00f6nnt ihr auch einen Horrorfilm sehen. Aber spielt nicht mit Zeitumkehrern!\u201c<br>Das sanfte Klingeln der Ladent\u00fcr k\u00fcndete einen Besucher an. Ein jugendliches M\u00e4dchen betrat unsicher den Laden.<br>\u201eGluten Morgen\u201c, w\u00fcnschte Harry, \u201eWillkommen bei Harry Potter und die Heiligt\u00fcmer des Brotes, was darfs denn sein?\u201c Das M\u00e4dchen z\u00f6gerte.<br>\u201e\u00c4hm, darf ich bitte ein Autogramm haben?\u201c<br>\u201eHaben wir nicht\u201c, sagte Harry lakonisch. \u201eWie w\u00e4rs mit einem Mohndbr\u00f6tchen? Sie sehen aus wie Halbmonde und sind mit Mohn garniert.\u201c Die kleine Rose kam mit wehendem rotem Haar die Treppe hinuntergepoltert.<br>\u201eBetty, h\u00f6r auf, meinen Onkel nach Autogrammen zu fragen, das ist soo peinlich.\u201c Betty grinste verlegen. Rose schnappte zwei Mohndbr\u00f6tchen und verschwand mit ihrer Freundin aus dem Laden. Beinahe w\u00e4re sie mit ihrem Vater zusammengestossen, der einen saftig gr\u00fcnen Tannenbaum hereinschleppte und dabei nassen Schnee und Nadeln auf dem Fussboden verteilte. Er stellte den Baum ins Schaufenster, klopfte den restlichen Schnee ab und liess sich neben Harry auf einen Stuhl hinter dem Tresen sinken.<br>\u201eEin Prachtexemplar\u201c, lobte Harry.<br>\u201eIch weiss, ich habe mich gut gehalten\u201c, erwiderte Ron.<br>\u201eIch meinte den Baum.\u201c<br>\u201eJa, der ist auch h\u00fcbsch. Und wenn die Kinder ihn geschm\u00fcckt haben, wird er der sch\u00f6nste Weihnachtsbaum, der jemals in einer B\u00e4ckerei gestanden hat.\u201c Die alten Freunde machten sich Kaffee \u2013 mit einem Schuss \u201aMagie\u2018 f\u00fcr die Weihnachtsstimmung \u2013 und g\u00f6nnten sich dazu ein heisses Schinkenspeckschnitzelbr\u00f6tchen.<br>\u201eWie geht es Hermine?\u201c<br>\u201eViel Arbeit. Du kennst sie doch. Sie hat nicht locker gelassen, bis sie endlich die Rechte an s\u00e4mtlichen Harry-Potter-Werken f\u00fcr dich gesichert hatte, und bald haben alle Charaktere die Rechte an sich selbst. Es fehlen nur noch Griphook und Pansy Parkinson. Dann k\u00f6nnen nur noch wir selbst \u00fcber uns bestimmen, und alle Beteiligten m\u00fcssen einverstanden sein.\u201c Er nahm einen grossen Bissen seines Fr\u00fchst\u00fccks und sprach mit vollem Munde weiter: \u201e\u00dcber Weihnachten muss sie sich aber frei nehmen, habe ich ihr gesagt, sonst lasse ich mich scheiden und verkaufe die Kinder an den Zirkus.\u201c Harry lachte.<br>\u201eRose w\u00fcrde sich da bestimmt wohl f\u00fchlen.\u201c Schweigend assen sie auf und schauten dem Tanz der Schneeflocken vor dem Fenster zu.<br>\u201eUnd was macht Ginny?\u201c, fragte schliesslich ihr Bruder.<br>\u201eH\u00e4lt das Haus erfolgreich zusammen und die Kinder davon ab, sich gegenseitig zu zerfleischen. Aber wenn die n\u00e4chste Quidditch-Saison losgeht, muss ich wieder eine Weile ohne sie \u00fcberleben. Zum Gl\u00fcck habe die Unterst\u00fctzung meines treuen B\u00e4ckerpartners, Ronald Weasley.\u201c Sie prosteten sich zu. Die Magie im Kaffee brannte in Harrys Kehle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gl\u00f6ckchen klingelte. Nevilles Mondgesicht betrat die B\u00e4ckerei und schloss sich der gem\u00fctlichen Gesellschaft an. Er erz\u00e4hlte, dass Seamus nun f\u00fcr die Pyrotechnik bei Rammstein zust\u00e4ndig sei und sie alle Tickets f\u00fcr das Neujahrskonzert erhalten w\u00fcrden, dass Colin den Pulitzer-Preis gewonnen h\u00e4tte und dass Harrys und Rons Kinder akzeptable Leistungen im Kr\u00e4uterkundeunterricht abliefern w\u00fcrden. Der neu eingef\u00fchrte Deutsch- und Mathematikunterricht sei nicht sehr erfolgreich, aber immerhin w\u00fcrde er durchgef\u00fchrt. Die n\u00e4chsten Stunden tranken die drei Freunde Kaffee mit Feuerwhiskey, verkauften zwischendurch Brote und T\u00f6rtchen und lachten schadenfroh, wenn draussen auf dem Glatteis jemand ausrutschte.<br>\u201eWeihnachtsferien sind voll knorke\u201c, sagte Ron. Sein R\u00fclpser liess das Schaufenster erzittern. Eine \u00e4ltere Dame, die gerade hereingekommen war, erschrak, lachte dann aber verlegen und kaufte zwei Kilo Dinkelbrot und w\u00fcnschte allen ein frohes Fest.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mittags kam Ginny mit Mehl in ihrem roten Haar nach oben in den Laden, zog die Sch\u00fcrze aus, k\u00fcsste Harry und begr\u00fcsste ihre Freunde. Nach und nach kamen auch Rose, Hugo, Albus, James und Lily zur\u00fcck, und als gegen Abend endlich auch Hermine eintraf und verk\u00fcndete, alle Rechte den jeweiligen Personen zugesichert zu haben, assen sie tonnenweise Kuchen und Schinkenspeckschnitzelbr\u00f6tchen und dann schm\u00fcckten sie gemeinsam den Weihnachtsbaum. Zugegeben, er war nicht der sch\u00f6nste Christbaum, der jemals ein einer B\u00e4ckerei gestanden hatte, aber es war ihr Christbaum. Sie beschlossen, am n\u00e4chsten Tag alle zusammen eine Winterwanderung zu machen und am Tag darauf Achterbahnfahren zu gehen. Sp\u00e4t abends gingen James und Albus mit Scorpius ins Kino, Hugo, Lily und Rose spielten im Keller auf der Xbox und die Erwachsenen zogen sich ins Wohnzimmer zur\u00fcck, um Nevilles neue Pfeifenkrautkreuzung auszuprobieren.<br>Alles war gut.<br>Bis auf das Pfeifenkraut \u2013 es schmeckte scheusslich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Fanfiction die &#171;ein Freund von meinem Gehirn&#187; geschrieben und im Oktober 2025 auf archive-of-our-own ver\u00f6ffentlicht hat. Harry ist dreizehn Jahre alt und geht seit dreiundzwanzig Jahren auf das Zaubererinternat. Er leidet unter Ged\u00e4chtnisl\u00fccken, weil sein Gehirn kaputt geht. 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