{"id":132,"date":"2026-04-25T13:34:00","date_gmt":"2026-04-25T11:34:00","guid":{"rendered":"https:\/\/meingehirn.ch\/?p=132"},"modified":"2026-04-25T13:38:47","modified_gmt":"2026-04-25T11:38:47","slug":"der-wahre-schaden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meingehirn.ch\/index.php\/2026\/04\/25\/der-wahre-schaden\/","title":{"rendered":"Der wahre Schaden"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Blumen bl\u00fchen, das Wetter wird w\u00e4rmer und mit den k\u00e4lteempfindlichen Menschen, die sich wieder an die frische Luft wagen, kriechen auch die Betr\u00fcger wieder aus ihren H\u00f6hlen. Vermehrt wird man in der Stadt von Fremden angesprochen, die etwas von einem wollen. (Vielleicht ziehe ich solche Leute an, weil ich besonders nett wirke &#8211; oder besonders naiv.) Sie tischen Geschichten auf, die meist Mitleid erregen sollen, berufen sich auf den Glauben, den Gruppenzwang, Unsicherheit und Angst. Selten wird man direkt nach Geld gefragt, das kommt erst nach der Geschichte. Jene, die direkt nach Geld fragen, sind wahrscheinlich eher die ehrlichen Bettler &#8211; \u00fcberpr\u00fcfen kann ich das nicht. Vielleicht ist der Sohn des Mannes, der mir ungefragt eine Rose in die H\u00e4nde gedr\u00fcckt hat, wirklich schwer krank; die Tatsache, dass er die bescheidene Spende von einem Zweifr\u00e4nkler abgelehnt, die Rose aus meiner Armbeuge gezogen und wortlos von dannen gegangen ist, erz\u00e4hlt jedoch eine andere Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe keine Vorstellung davon, wie viel Geld durch solche Betr\u00fcgereien verdient wird, aber es muss sich lohnen. Der wahre Schaden ist meiner Meinung nach nicht der finanzielle, sondern der, dass wir misstrauisch und reserviert werden. Von einem Fremden angesprochen zu werden l\u00e4sst die Alarmglocken l\u00e4uten, l\u00e4sst uns in die Defensive gehen, um nicht verarscht zu werden. Derweil gibt es unz\u00e4hlige Menschen, die in einer echten Notsituation sind und unsere Hilfe und Aufmerksamkeit verdienen. Lieber auf Nummer sicher gehen und kopfsch\u00fcttelnd weitergehen oder die Scham und Unsicherheit auf sich nehmen, einem m\u00f6glichen Betr\u00fcger aufgesessen zu sein?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus moralischer Sicht &#171;gewinnt&#187; man, wenn man allen etwas gibt, sofern man kann. Einem Betr\u00fcger Geld gegeben zu haben, macht einem selbst zu jemandem, der \u00fcber solchen Kleinigkeiten steht, w\u00e4hrend es den Betr\u00fcger zu einem Dieb macht, der der Gier verfallen ist. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte man auch dar\u00fcber fluchen oder sich sch\u00e4men, aber was n\u00fctzt das?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eigentlich sollte der Text hier zu Ende sein, aber mein Gehirn hat mich gerade darauf aufmerksam gemacht, dass es wohl eine nicht unbetr\u00e4chtliche Anzahl Menschen gibt, die gerne ihr Portemonnaie erleichtern, um ihr eigenes Gewissen zu erleichtern. Ob der Spendenempf\u00e4nger aufrichtig ist oder nicht, spielt keine Rolle, denn wer glauben will, etwas Gutes zu tun, der hinterfragt nicht. Der Beweis hierf\u00fcr sind die grossen &#171;gemeinn\u00fctzigen&#187; bzw. &#171;Non-Profit&#187; Organisationen, die legal Spenden sammeln, um die Natur zu sch\u00fctzen, hungernde Kinder zu ern\u00e4hren oder die Menschenrechte zu wahren. Viele Spender m\u00f6chten nicht wissen, wie viel von ihrem Geld an die F\u00fchrungsebene geht oder was schlussendlich wirklich damit erreicht wird. Sie m\u00f6chten ihr Gewissen erleichtern, den mit einer j\u00e4hrlichen Spende an die WWF lassen sich die halbj\u00e4hrlichen Ferien in Indien oder Costa Rica viel besser geniessen. Ein moderner Ablassbrief, sozusagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Blumen bl\u00fchen, das Wetter wird w\u00e4rmer und mit den k\u00e4lteempfindlichen Menschen, die sich wieder an die frische Luft wagen, kriechen auch die Betr\u00fcger wieder aus ihren H\u00f6hlen. Vermehrt wird man in der Stadt von Fremden angesprochen, die etwas von einem wollen. 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