Selbststudium Philosophie – Teil 3

The Conspiracy Against the Human Race von Thomas Ligotti

Thomas Ligotti ist Autor schonungsloser, traumartiger Horror-Kurzgeschichten. In diesem Buch hat er seine pessimistische Philosophie ausgearbeitet. Es beginnt damit, dass die Natur den Menschen in eine Falle manövriert hat, indem sie ihm ein Bewusstsein gab. Er weiss, dass er lebt und irgendwann stirbt, also tut er allerlei paradoxe Dinge um diesen Gedanken zu verdrängen. Wir alle sind nur Puppen, biologische Maschinen mit der Illusion eines Selbst. Weiter geht es damit, dass man keine Kinder zeugen sollte, weil jedes Leben potentiell mehr Leid als Freude birgt (Antinatalismus) und warum die Leute es trotzdem (absichtlich) tun. Ligotti lässt sich darüber aus, dass pessimistische Philosophien kaum beachtet werden, auch wenn sie logisch argumentiert sind, denn niemand will es hören, genauso wie niemand hören will wenn jemand jammert oder dass überall auf der Welt Kinder verhungern.

Das Buch beinhaltet viele Vergleiche zu übernatürlichen Horror-Geschichten, was diese mit der Philosophie zu tun haben, mit unseren Ängsten und warum manche von uns so etwas lesen oder schreiben. Ligottis Schreibstil passt hervorragend zu der Materie, er ist sachlich und trocken, nimmt kein Blatt vor den Mund, ist zynisch und bringt doch noch eine gewisse Portion Witz hinein. Trotz des trostlosen Inhalts konnte ich manchmal schmunzeln, zum Beispiel werden Autounfälle immer „vehicular missadventure“ genannt, was so oft vorkommt, dass es zum Running-Gag wird.

Ich finde das Buch grossartig. Ich empfehle es jedem, der die Nase voll hat vom Heile-Welt-Kitsch und pseudophilosophischen Selbsthilfebüchern und auch allen, die ihren Horizont erweitern wollen und sich nicht davor fürchten, etwas Unangenehmes zu erfahren. Schade, dass es keine deutsche Ausgabe gibt.


Wie ist es, eine Fledermaus zu sein? von Thomas Nagel

Dieser Aufsatz behandelt das Leib-Seele-Problem (sind Körper und Geist getrennt voneinander?) und dass mit dem modernen Ansatz des Reduktionsimsus (auf Gemeinsamkeiten hinunterbrechen bis das Wesentliche übrigbleibt, z.B. Gedanken sind nur elektrische Impulse im Gehirn) das Bewusstsein meist ignoriert wird. Auf diesem Weg geht vieles verloren, deshalb sei dieser Weg nicht zielführend. Anhand des Beispiels, dass wir nicht wissen können, wie es wäre, eine Fledermaus zu sein (genauer: wie es für eine Fledermaus ist, eine Fledermaus zu sein) zeigt er, dass man, auch wenn man weiss wie eine Fledermaus lebt, wie ihre Echolot-Ortung funktioniert, wie ihr Stoffwechsel funktioniert und ihr Sozialleben aussieht, man trotzdem keine Ahnung von der Erfahrung einer Fledermaus hätte. Es ist nicht das Selbe, ein Mensch im Körper einer Fledermaus zu sein und wirklich eine Fledermaus zu sein. Das gilt natürlich auch für andere Tiere, und in kleinerem Ausmass auch für unsere Mitmenschen, denn auch zwei physisch identische Wesen in einer identischen Umgebung, also mit den selben Sinneseindrücke, hätten eine unterschiedliche Erfahrung.

Beim ersten Lesen hat mir der Kopf geraucht und ich fand es hochinteressant. Beim zweiten Mal habe ich mehr verstanden, habe aber auch bemerkt, dass sich der Autor in Umschreibungen verliert, das ist nunmal ein Text für Fachpersonen und weniger für Hobby-Philosophen. Faszinierendes Thema, für Laien zu kompliziert formuliert.


Das Philosophie-Buch

Das „Philosophie-Buch“ (das grosse gelbe, aus der Reihe Big-Ideas vom DK-Verlag) bietet eine Übersicht über die Philosophie der Antike bis heute. Nacheinander werden einflussreiche Philosophen und ihre Ideen vorgestellt. Der Fokus liegt bei jedem Denker nur auf einem Thema, da es ansonsten den Rahmen sprengen würde. Bei vielseitigen Philosophen wie z.B. Kant wären zumindest Hinweise auf weitere Themen hilfreich gewesen.

Vor 2500 Jahren gab es einige ganz gescheite Köpfe, die sich über alles Gedanken gemacht haben und alles hinterfragt haben. Als im Nahen Osten die drei grossen Religionen auftauchten, haben die Philosophen 1000 Jahre lang nur noch über Gott und die Seele nachgedacht, bzw. haben versucht, zu philosophieren, ohne auf dem Scheiterhaufen zu landen (hat manchmal geklappt). Mir schwindelt bei dem Gedanken, welche grossen Ideen möglicherweise nie ausgesprochen wurden oder deren Aufzeichnungen nicht überlebt haben. Spätestens ab der Renaissance wird es richtig spannend, und auch anspruchsvoll.

Dieses Buch hätte mein eigentlicher Einstieg in die Philosophie sein sollen. Es erklärt zugänglich und anschaulich komplexe Ideen aller Sparten der Philosophie. Jetzt weiss ich, worüber ich mehr erfahren möchte, und was ich lieber so stehen lasse.