Giovanni Drogo kommt frisch aus der Militärakademie und wird freiwillig gemeldet um seinen Dienst auf einer Festung zu verrichten. Diese ist weit weg von allem, droben in den Bergen, an der nördlichen Grenze, auf der anderen Seite ist die endlose Wüste. So hat Giovanni sich seine Karriere nicht vorgestellt. Er lässt sich überreden zu bleiben, nur für vier Monate. Bis dahin hat er sich eingelebt und eingewöhnt, und wenn er bleibt, kommen vielleicht bald die Tataren aus der Wüste, greifen die Festung an, und Giovanni kann sich beweisen. Aus vier Monaten werden vier Jahre, die Wachdienste sind immer die selben, die Kameraden und die Umgebung auch. Nur Sonne, Nebel, Felsen, Berge und Wüste, nichts geschieht, aber vielleicht bald, irgendwann kommen die Tataren und dann hat sich alles gelohnt. Als er einmal die Heimat besucht, sind ihm die Stadt, die Mutter und die Freunde fremd geworden.
Eine Parabel aufs Leben, deren Sog man sich unmöglich entziehen kann; man denkt sich, man ist noch jung, irgendwann passiert etwas, irgendwann macht man dies und das, dann sind zehn Jahre vorbei, noch ein paar und man kann nicht mehr ausbrechen, lässt sich mitreissen vom Strom der Zeit.
In dieser bibliophilen Ausgabe der «Anderen Bibliothek» zeigen auch die Seitenzahlen das verrinnen der Zeit an, die unermüdlich und unaufhaltsam von links nach rechts ziehen.
Gelesen auf Deutsch, Verlag Die Andere Bibliothek, 251 Seiten, Erstveröffentlichung 1940.