Selbststudium Philosophie – Teil 2

Kant von Marcus Willaschek

Das nächste Buch ist eine Biographie und zugleich ein Versuch, die komplizierte Philosophie Kants für Laien verständlich zu machen, was dem Autor gut gelungen ist. Immanuel Kant wurde 1724 in Königsberg geboren, wo er sein ganzes Leben verbrachte. Er vereinigte die damals vorherrschenden Ansichten des Empirismus (Echt ist nur, was man durch seine Sinne wahrnehmen und erproben kann) und des Rationalismus (Echt ist nur, was wir in unseren Köpfen ohne äussere Einwirkung überprüfen können, wie z.B. die Mathematik) zum Idealismus. Demnach gehen Empirismus und Rationalismus Hand in Hand, denn sowohl Erkenntnis und Vernunft seien für die Wahrnehmung notwendig.

Auch auf die Moralphilosophie hatte er erheblichen Einfluss. Gemäss dem kategorischen Imperativ solle man sich bei jeder Entscheidung überlegen, was geschehen würde, wenn jeder so handeln würde. Würde beispielsweise jeder nur die Milch mit dem spätesten Verfallsdatum kaufen, würde der Grossteil der Milch schlecht werden und wäre verschwendet. Des Weiteren hat Kant den Begriff „a priori“ geprägt, hat sich mit Erziehung, Naturwissenschaften und vielem Weiteren beschäftigt. Sein Denken prägt bis heute die europäische Politik. Während bei uns beispielsweise die Folter abgelehnt wird, weil sie gegen die Menschenwürde ist, ist in den USA der Utilitarismus einflussreicher, nach dem es in Ordnung ist, einen Menschen zu opfern, wenn damit mehrere gerettet werden. Ebenfalls sollen wir streng mit uns selbst sein; wenn wir beispielsweise keine Essensreste wegwerfen wollen, dann werfen wir keine Essensreste weg. Ausnahmen sagen unserem Gehirn, dass es doch in Ordnung wäre, Essensreste zu entsorgen.

Auch dieses Buch kann ich empfehlen. Stellenweise muss man sich schon anstrengen, um Kants Denkweise zu folgen, es ist jedoch alles verständlich und zugänglich erklärt.


Diogenes von Sinope von Diogenes Laertios

Während Kant streng wie ein Polizist war, war Diogenes von Sinope der grösste Punk unter den Philosophen. Er lebte im antiken Griechenland in einem Fass, lebte von Tag zu Tag, lehnte jeglichen Besitz ab und erbettelte gerade genug Nahrung, um zu überleben. Sich selbst hatte er als einen Hund bezeichnet, denn er beisse, wer ihm Böses wolle und schmeichle jenen, die gut zu ihm sind. Das Buch ist eine lose Sammlung kurzer Anekdoten, die Diogenes von Sinope zugeschrieben werden. Zusammengetragen wurden sie von einem anderen Diogones und erschienen im gleichnamigen Verlag, der vom ersten seinen Namen hat.

Ein interessantes Buch, jedoch ohne Tiefe. Es ist sehr leicht verständlich. Es bringt einen dazu, die eigene Position in der Gesellschaft und die Lebensweise zu hinterfragen. Du bist frei, du kannst leben, wie du willst.


Also sprach Zarathustra von Friedrich Nietzsche

Nietzsches bekanntestes Werk ist keine trockene Abhandlung, sondern liest sich wie eine Reihe Predigten aus dem Alten Testament. Zarathustra steigt nach zehn Jahren der Einsamkeit vom Berg zurück zu den Menschen, um ihnen seine Weisheit zu verkünden. „Gott ist tot! Ich bringe euch den Übermenschen!“, verkündet er. Dabei geht es nicht (nur) um Atheismus. Die Menschen würden, indem sie sich einem allmächtigen Gott unterordnen, selbst kleinhalten. Wenn Gott das Grösste ist, wo steht denn der Mensch? Die abrahamitischen Religionen stellen das Leben nach dem Tod über das eigentliche Leben. Wenn wir Gott ablehnten, könnten wir uns selbst überwinden, verbessern und zum Übermenschen werden, einem starken und selbstbestimmten Wesen. Da Gott etwas absolutes ist, hat seine Abschaffung weitreichende Auswirkungen auf unsere Wertvorstellung. Wir müssen neue Werte schaffen, so Nietzsche.

„Ein Buch für Alle und Keinen“, lautet der Untertitel, ich würde es jedoch jedem empfehlen, der sich für das Thema interessiert. Es ist das einzige Werk Nietzsches, das in Prosaform geschrieben ist. Ich fand es gut verständlich. Es hat mir gezeigt, dass Nihilismus lebensbejahend sein kann.